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Eva Bräth
Umzug der Menschheit

Diskussion über Städtebau der Zukunft

Im Jahr 2050 werden rund 80 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Welche Herausforderungen damit verbunden sind, diskutierte vergangene Woche der Entwicklungsausschuss des Bundestages. Der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), Professor Hans Joachim Schellnhuber, drängte dort auf konkrete Ergebnisse des dritten Weltgipfels der Vereinten Nationen zu Wohnraum und nachhaltiger Stadtentwicklung ("Habitat III"). Er äußerte die Sorge, dass der im Oktober in Quito (Ecuador) stattfindende Gipfel nicht die notwendigen Ergebnisse erreichen wird.

"Wir müssen über völlig neue Strukturen nachdenken", betonte Schellnhuber. Den "Umzug der Menschheit" in die Städte zu bewältigen, sei eine riesige Herausforderung. Statt auf immer mehr Verdichtung müsse der Städtebau auf die Entwicklung von Mittelzentren setzen. Die Städte der Zukunft müssten zudem eine eigene Identität haben, Menschen die soziale, politische und wirtschaftliche Teilhabe ermöglichen und nicht zuletzt nachhaltig sein. Unter anderem hob Schellnhuber die Bedeutung natürlicher Baumaterialien wie Holz anstelle von Beton und Stahl sowie neuer Mobilitätskonzepte hervor.

Die Unionsfraktion verwies auf das "Deutsche Habitat Forum", das vom 1. bis 2. Juni in Berlin stattfand und Impulse für den Weltgipfel im Oktober liefern sollte. Deutschland nehme seinen Beitrag zum Habitat-III-Prozess sehr ernst, sagte ein Vertreter der Fraktion. Jedoch gebe es angesichts der Herausforderungen nicht die eine Lösung. Die SPD-Fraktion merkte an, dass Stadtentwicklung ein weites Feld darstelle und konkrete Instrumente bislang fehlten. Ein Vertreter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wies auf die Problematik der Spekulationen am Wohnungsmarkt hin. Eine zentrale Frage sei, wie die Kluft zwischen sozialer Not und großem Reichtum in den Städten aufgelöst werden könne. Seitens der Linksfraktion hieß es, dass alternativ auch die ländlichen Räume gestärkt werden sollten. Viele Menschen seien durch Armut, politische Verfolgung und Gewalt gezwungen, in die Städte zu ziehen.

Der WGBU hatte der Bundesregierung im April 2016 ein Gutachten zum Thema globale Stadtentwicklung übergeben. Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Hans-Joachim Fuchtel (CDU), versicherte im Ausschuss, die Regierung werde sich aktiv am Habitat-III-Prozess beteiligen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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