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Nuklearwirtschaft
Hans-Christoph Neidlein
Brennelemente am laufenden Band

Kapazitäten bei Urenco wurden sogar noch aufgestockt

Trotz Atomausstiegsbeschluss laufen die Geschäfte bei Urenco prächtig. Das Unternehmen betreibt im nordrhein-westfälischen Gronau seit 1985 eine Uranreichungsanlage und stellt im niedersächsischen Lingen Brennelemente her. Seit 2010 liege der Weltmarktanteil des angereicherten Urans, das Urenco in Gronau produziert zwischen 30 und 33 Prozent, teilte die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke Anfang Anfang Juni mit. Die Anlage in Gronau sei voll ausgelastet. Der Betrieb der Urananreicherung in Gronau sowie der Brennelementproduktion in Lingen seien atomrechtlich genehmigt, heißt es in der Antwort weiter. Zu Beanstandungen bei Kontrollen durch Euratom und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) sei es bisher nicht gekommen, so die Bundesregierung in der Antwort auf eine frühere Anfrage im Juli 2014.

Die Kapazität der Anlage in Gronau wurde im Laufe der vergangenen der Jahre stark aufgestockt. Von 1.000 Tonnen/jährlich in 1998 auf 4.100 Tonnen/jährlich zum Jahresende 2015. Nach eigenen Angaben beschäftigt Urenco Deutschland insgesamt 280 Mitarbeiter. Hinter dem russischen Konkurrenten Tenex ist Urenco weltweit das zweitgrößte Unternehmen, das Brennelemente für Atomkraftwerke herstellt. Der Hauptsitz des Unternehmens ist im britischen Stoke Poges. Weitere Urananreichungsanlagen werden im britischen Capenhurst, im niederländischen Almelo und in Eunice im US-Bundesstaat New Mexico betrieben.

Zusammen mit dem französischen Atomkonzern Areva ist Urenco zudem zu 50 Prozent am Zentrifugen-Entwickler ETC beteiligt. Das Unternehmen hat weltweit mehrere Standorte, darunter im nordrhein-westfälischen Jülich. Es fertigt, liefert und installiert hauptsächlich Gasultrazentrifugen sowie Verrohrungen für Urananreichungsanlagen.

Im Jahr 2014 konnte Urenco den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 6,4 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro steigern, den Nettogewinn um 20 Prozent auf 404,5 Millionen Euro. Laut Unternehmensangaben lag der Auftragsbestand im Jahr 2014 bei 16 Milliarden Euro und reicht über das Jahr 2025 hinaus.. Seit Jahren wird über eine Privatisierung des Unternehmens diskutiert, das 1970 von der Bundesrepublik Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien gegründet wurde. In dem Vertrag ist auch festgelegt, dass Urenco kein angereichertes, waffenfähiges Uran herstellen darf. Bereits vor einiger Zeit kündigten der britische und niederländische Staat an, ihre Unternehmensanteile von je einem Drittel zu verkaufen. Auch die beiden deutschen Energiekonzerne Eon und RWE, denen jeweils ein Sechstel der Anteile gehört, kündigten an, auszusteigen. Bisher gebe es jedoch keinen Termin für den Verkauf der Urenco-Anteile von Eon und RWE, teilte die Bundesregierung im Frühjahr vergangenen Jahres auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke mit.

Laut dem Deutschen Atomforum waren im Jahr 2011 rund 8.000 Beschäftige in deutschen Kernkraftwerken und 32.000 Arbeitnehmer in Forschung und Entwicklung, bei Herstellern und Zulieferern sowie im Service tätig. Diese Arbeitsplätze könnten für weitere 20 bis 30 Jahre bestehen bleiben. Die kurzfristigen, negativen Beschäftigungswirkungen durch den Atomausstieg könnten vernachlässigt werden, stellte das Beratungsunternehmen DIW Econ fest. Nach Stilllegung eines Atomkraftwerks bliebe ein Großteil der Arbeitsplätze bestehen, um eine sichere Wartung und Außerbetriebnahme zu gewährleisten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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