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Alexander Heinrich
SCHWERE ATOMUNFÄLLE

Chalk River, Kanada (1952)

In der Nähe von Ottawa kommt es zum Reaktorunfall mit einer partiellen Kernschmelze durch eine Knallgasexplosion. Nach der siebenstufigen "Internationale Bewertungsskala für nukleare und radiologische Ereignisse" (INES) wird der Unfall mit der Stufe 5 gewertet.

Kyschtym, Sowjetunion (1957)

In der Wiederaufbereitungsanlage nahe des Uralgebirges explodieren Rückstände aus der Plutoniumproduktion in einem Tank, nachdem die Kühlsysteme versagt haben. Radioaktivität wird auf einer Fläche von etwa 20.000 km² verteilt, bleibt aber regional begrenzt ("Uralspur") und auch deshlab lange vor der Weltöffentlichkeit verborgen (INES: 6).

Windscale, England (1957)

Im Kernreaktor Windscale (heute Sellafield) wird mit Hochdruck an der Gewinnung von waffenfähigem Plutonium gearbeitet. Im luftgekühlten Reaktor gerät aufgrund von Messfehlern der Graphitmoderator in Brand. Zwar gelingt es, eine Kettenreaktion zu unterbinden, aber das Feuer schwelt mehrere Tage, an denen die Radioaktivität ungehindert durch die Kamine in die Atmosphäre gelangt. (INES: 5)

Lucens, Schweiz (1969)

In einem in einer Felskaverne untergebrachten Versuchsreaktor geraten Brenn-stäbe in Brand, nachdem das Kühlsystem versagt hat. Der Felsstollen kann isloliert und verschlossen werden, aber radioaktive Gase geraten kontrolliert in die Atmosphäre. (INES: 4-5)

Harrisburg, USA (1979)

Im Atomkraftwerk Three Mile Island kommt es zu einem Ausfall der Reaktorkühlung und zur partiellen Kernschmelze. Große Mengen an radioaktiven Gasen gelangen in die Atmosphäre. (INES: 5)

Fukushima, Japan (2011)

Nach einem schweren Erdbeben erreicht im März 2011 ein Tsunami das an der Küste stehende Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi, das für eine solche Naturkatastrophe nicht ausgelegt ist. Die Notstromaggregate werden durch das Wasser weitgehend außer Gefecht gesetzt, durch die nun fehlende Kühlung kommt es zur Überhitzung von Brennelementen in drei Reaktoren und zwei Abklingbecken. Bei zwei Blöcken werden durch Explosionen Gebäudeteile schwer beschädigt, dadurch und durch weitere Brände werden große Mengen radioaktiver Stoffe freigesetzt. Rund 170.000 Menschen müssen aus den betroffenen Gebieten evakuiert werden. (INES: 7)

Aus Politik und Zeitgeschichte

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