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EDITORIAL
Jörg Biallas
Luxus der drei Säulen

Wer sich mit Berufsanfängern über die Rente unterhält, stellt zweierlei fest. Zum einen ein gewisses Maß an Sorglosigkeit, weil die Pensionierung noch fern ist und aktuell ganz andere Herausforderungen zu meistern sind. Das war immer so, ist nachvollziehbar und lässt sich mit der Gewissheit beiseiteschieben, dass mit den Lebensjahren in aller Regel auch das Bewusstsein für ein auskömmliches Dasein im Alter wächst.

Zum anderen fehlt aber das Vertrauen in eine Rentenpolitik, die von Nachhaltigkeit geprägt ist. Denn Erwerbsbiografien haben sich geändert. Es ist längst nicht mehr die Ausnahme, dass Ungelernte von Job zu Job, Akademiker von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hüpfen. Dazwischen liegen nicht selten Phasen, in denen gar nicht oder freiberuflich gearbeitet wird.

Selbst wenn einigermaßen regelmäßig in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt wird, sind die beitragsfreien Lücken schnell groß genug, um die Sorge vor Altersarmut zu schüren. Zumal das Budget für private Vorsorge bei vielen zu knapp ist.

Mit anderen Worten: Die Rente hat ein Image-Problem; als Gewähr für den Erhalt des erarbeiteten Lebensstandards gilt sie vielen schon lange nicht mehr.

Die Politik ist also gefordert, das Rentensystem immer wieder zu prüfen. Die drei Stellschrauben, - Beitragssatz, Rentenniveau und Eintrittsalter -, sind so zu bedienen, dass ein richtiges Verhältnis zwischen generierbarem Kapital und absehbarem Bedarf entsteht.

Das ist leicht gesagt, birgt aber in Wahrheit alle Unwägbarkeiten einer Wette auf die Zukunft. Schon deshalb verbieten sich einfache Rezepte. Wie etwa jenes, dass eine möglichst hohe Beschäftigungsquote wohl ausreichend sein werde, den Generationenvertrag einzuhalten.

Dieser Ansatz wird schon in zehn Jahren in sich zusammenfallen. Denn dann drängen die "Babyboomer" der 1960er-Jahre mit vergleichsweise hohen Rentenansprüchen auf das Altenteil.

Es hilft also, immer wieder darauf hinzuweisen, dass die gesetzliche Rente am besten mit einer betrieblichen und einer privaten Altersvorsorge ergänzt wird. Im Alter ist es deutlich bequemer, sich auf drei Säulen zu betten, statt auf nur einer zu sitzen.

Aber: Drei Säulen muss man sich auch leisten können.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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