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Ortstermin: Auf der Fraktionsebene des Reichstagsgebäudes
Eva Bräth
Los geht es mit einem Starterkit

Vor den Fraktionssälen von Union und SPD herrscht Gedränge. Kamerateams und Fotografen flitzen herum, Reporter warten auf ihren Einsatz. Es ist Dienstag, zwei Tage sind seit der Bundestagswahl vergangen. Die Abgeordneten von CDU/CSU, SPD, Linke und Grüne treffen sich im Reichstagsgebäude. Die Liberalen und die AfD haben bereits andernorts getagt.

Bei den beiden kleineren Parteien geht es gleich los. Fast alle Neu- oder Wiedergewählten haben am Stand des Tagungsbüros schon den vorläufigen Abgeordnetenausweis, die Bahncard sowie ein Informationspaket abgeholt. Die grauen Kisten, in denen die gepackten Mappen bereitlagen, sind fast leer. Gerade hat Pascal Meiser (Die Linke) sein Starterkit in Empfang genommen. Er ist über die Berliner Landesliste das erste Mal in den Bundestag eingezogen. "Ich finde es total großartig, wie man hier von der Verwaltung begrüßt wird", sagt er. Es beeindrucke ihn, wie schnell sich die Pförtner und andere Mitarbeiter die neuen Gesichter einprägen. In der ersten Woche steht ein dichtes Programm an. In der Fraktion werte man das Wahlergebnis aus und plane die nächsten Schritte bis zur Konstituierenden Sitzung des Parlaments. "Für mich geht es außerdem darum, mein künftiges Büro und das Wahlkreisbüro zu organieren", erzählt Meisner.

Dabei sollen ihm und den anderen neugewählten Volksvertretern der "Wegweiser für Abgeordnet" helfen. Von A wie "Abstimmungen im Plenum" über G wie "Geheimschutz" bis hin zu W wie "WLAN" ist darin alles erklärt, was für die Arbeit relevant ist. Die anderen Broschüren in der Klarsichtmappe behandeln rechtliche Fragen wie etwa die Einstellung von Mitarbeitern, aber auch ganz praktische Anliegen wie den Weg zu den Kantinen.

Plötzlich kommt Bewegung vor dem Saal der CDU/CSU-Fraktion auf. Von einem Kamerateam begleitet holt Paul Ziemiak aus dem Wahlkreis Herne-Bochum seinen Ausweis ab. Der Vorsitzende der Jungen Union lacht in die Kameras, zeigt stolz das Dokument. Er kenne sich in den Räumlichkeiten des Parlaments gut aus. Als Abgeordneter hierher zu kommen, sei "eine große Ehre und ein besonders Gefühl". Die ersten Tage erlebe er ein bisschen wie früher die Schule, wenn es einen neuen Stundenplan gab. "Landesgruppe, Junge Gruppe, Regionalgruppe, Bundestagsfraktion, Einführung für neue Abgeordnete", zählt er die Stationen auf.

Für die Neuen stehen meist ganz praktische Fragen an. "Ganz viel hat erst einmal mit Organisation zu tun", sagt SPD-Politiker Markus Töns. Neben den Gremiensitzungen muss er sich vor allem darum kümmern, ein Büro zu bekommen und es auszustatten.Bis alle Abgeordneten ihr Büro bezogen haben, dürften aber noch einige Wochen vergehen. Nicht wiedergewählte oder ausgeschiedene Parlamentarier müssen erst einmal ihre Zimmer räumen. Auch wer nicht ausscheidet, behält nicht unbedingt das Büro. Die Fraktionen entscheiden über die Vergabe.

Für Töns steht noch ein weiter Umzug an. Er hat den Wahlkreis Gelsenkirchen gewonnen und ist parallel zum Sitzungsmarathon auf Wohnungssuche. Nicht ganz einfach sei das in Berlin, sagt er. "Aber es wird schon klappen." Ohnehin: Auf die neuen Aufgaben freue er sich richtig. "Ich bin Politikwissenschaftler und wenn man im wichtigsten Parlament Deutschlands Abgeordneter ist, geht man da mit einer gewissen Ehrfurcht, aber auch Freude ran."Eva Bräth

Aus Politik und Zeitgeschichte

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