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Gastkommentare - Pro
Henrike Roßbach, "Frankfurter Allgemeine Zeitung"
Viele Vorteile

Brauchen wir mehr Bio-Landbau?

Ökolandbau auf einem Fünftel der Agrarfläche - so lautet das offizielle Ziel der Bundesregierung. Davon aber ist Deutschland meilenweit entfernt. Zwar ist der Anteil der Ökoflächen in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Über klägliche 6,5 Prozent aber ist er nicht hinausgekommen. Zuletzt hat sich das Wachstum sogar verlangsamt.

Das ist schlecht. Denn ökologische Bewirtschaftung hat viele Vorteile: Es werden keine mineralischen Dünger eingesetzt, vielfältige Fruchtfolgen tun dem Boden gut, der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel der Artenvielfalt. Ökolandbau bedeutet möglichst geschlossene Nährstoffkreisläufe - angesichts der Nitratbelastung des Grundwassers ein wichtiger Punkt. Auch die Tiere haben es besser: Oft handelt es sich um robustere Rassen, sie haben mehr Platz und Auslauf, fressen größtenteils Öko-Futter vom Hof und Antibiotikum bekommen sie nur im Notfall.

Deutschland ist mit fast 9,5 Milliarden Euro Umsatz der größte Bio-Markt Europas, Biobauern erzielen höhere Einkommen als ihre konventionelle Konkurrenz. Und trotzdem ist nicht einmal jeder zehnte Betrieb ein Biohof. Biolebensmittel haben zwar je nach Produkt nur einen Marktanteil von unter einem bis zehn Prozent. Fakt aber ist: Die Nachfrage ist größer als das Angebot, deshalb werden Bio-Produkte importiert.

Höchste Zeit, den Ökolandbau politisch so zu behandeln, wie er es verdient. Das müssen keine neuen Agrar-Milliarden aus Brüssel sein. Aber eine Umschichtung des bisherigen Budgets in Richtung Biolandwirtschaft ist überfällig. Denn diese Form des Wirtschaftens hat nicht nur eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz - sie hinterlässt auch weniger ökologische Schäden samt Folgekosten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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