Inhalt

Ernährungskosten

Butterberge und Milchseen sind Geschichte

Preisregulierung durch Vorräte nicht mehr möglich. Großer Flächenverbrauch für Energiepflanzen

Seit einigen Jahren steigen die Preise für Grundnahrungsmittel stärker als die offizielle Inflationsrate und der Nettoverdienst. Kürzlich haben sich auch die Butterpreise fast verdoppelt, gefolgt von steigenden Milchprodukte-, Gemüse- und Obstpreisen. Die intensive Nutzung der Agrarflächen für Pflanzen der Bioenergieerzeugung sehen viele Kritiker als Ursache an. Es gibt jedoch viele weitere Faktoren, die auf die Preisbildung Einfluss nehmen. Auf gut 20 Prozent der deutschen Ackerflächen werden Pflanzen (Raps, Zuckerrüben und Getreide) zur Bioenergieerzeugung angebaut, etwa ein Viertel für Biogas und der Rest für Biokraftstoffe. Da die energiepolitischen Ziele der Bundesrepublik dennoch nicht allein auf Basis der heimischen Agrarproduktion erreicht werden können, müssen erhebliche Rohstoffmengen für die heimische Biospritproduktion importiert werden

Palmöl spielt keine Rolle Das in Verruf geratene Palmöl aus Indonesien spielt allerdings auf dem deutschen Biokraftstoffmarkt keine Rolle. Bei niedrigen Temperaturen wird Biodiesel aus Palmöl fest und scheidet deshalb als Kraftstoff in Mittel- und Nordeuropa aus. Haupt-Ethanolerzeugerländer wie die USA dehnen ihre Produktion weiter für Exportzwecke aus, was möglicherweise bei unterversorgten Weltmärkten Preisschwankungen für Nahrungsmittel verstärken könnte.

Eine ganze Reihe von Faktoren sind in erster Linie für die Preisfindung von Grundnahrungsmitteln relevant:

.Rohölpreise, Personalkosten und damit auch steigende Produktionskosten in der Landwirtschaft (zum Beispiel Diesel und Strom).

.Begrenzte landwirtschaftliche Nutzflächen, teilweise abnehmende Ertragssteigerungen und damit in der Folge langsam anwachsende weltweite Nahrungsmittelproduktion.

.Je höher die Energiepreise, desto attraktiver sind wieder Agrarrohstoffe zur Energiegewinnung und nicht für Ernährungszwecke und damit steigt die Verknappung von Ackerflächen.

.Weltweites Bevölkerungswachstum, damit mehr Konsumenten und eine ineffiziente Logistik bei der Distribution der Nahrungsmittel.

.Wachsende Kaufkraft und Anstieg der Nachfrage nach energieintensiven und Grundnahrungsmittel-verbrauchenden Produkten (Fleisch, Milchprodukte) insbesondere in China und Indien.

.Butterberge und Milchseen sind Geschichte. Damit entfällt ein ausgleichender Preisregulator. Die EU ist inzwischen der weltweit größte Importeur von Agrarerzeugnissen aus Entwicklungsländern.

Weitere Faktoren sind die fluktuierenden Weltgetreidevorräte, mögliche Handelsbeschränkungen, politische Instabilitäten in bestimmten Weltregionen, regionale Dürren oder Überflutungen, die Vernachlässigung der Landwirtschaftspolitik in vielen Entwicklungsländern sowie die Spekulation in Agrarrohstoffe (Zentrum: Chicago).

Die Kosten für Agrarrohstoffe haben in Deutschland eine eher untergeordnete Bedeutung für das Endprodukt. So entfallen laut Angaben des Deutschen Bauernverbandes bei einem Brötchen weniger als sechs Prozent des Preises auf seinen Getreideanteil. Im DBV-Situationsbericht 2011/12 heißt es: "Um den Brötchenpreis um nur einen Cent anzuheben, müsste sich der Getreidepreis verdoppelt haben." Weitaus höher ist der Anteil der Landwirtschaft am Endverbraucherpreis bei tierischen Produkten wie Fleisch und Milch. Steigende Agrarpreise für Getreide wirken sich hingegen nur sehr bedingt auf die Verbraucherpreise für Lebensmittel aus.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag