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Gastkommentare - Contra
Ursula Weidenfeld, freie Journalistin
Nichts gewonnen

Kooperationsverbot abschaffen?

Wenn es einen Symbolkonflikt gibt, dann den zwischen Bundesländern und Bundesregierung um das Kooperationsverbot: Der Bund darf Schulen nicht finanzieren, Bildung ist Ländersache. Darum sind unsere Schulen schlecht, denken viele.

Das ist Unsinn. Schulen werden besser, wenn sie bessere Direktoren bekommen, und wenn diese Direktoren entscheiden dürfen, welche Fachkräfte sie einstellen. Wer das finanziert? Das ist egal.

In der öffentlichen Debatte geht das anders: Wer sich heute für die alleinige Bildungshoheit der Bundesländer einsetzt, wird der Rückständigkeit beschuldigt. Er muss sich vorwerfen lassen, ihm sei egal, was und wie Schüler lernen.

Als ob das Geld und die Kompetenz der Bundesregierung das Problem schlechter Schulen lösen würden. Es gibt Länder, die erfolgreiche Bildungspolitik machen - und zwar nicht nur die reichen oder solche, die besonders viel Geld für ihre Schüler ausgeben. Und es gibt solche, die versagen.

Würde mehr zentrale Zuständigkeit zu besseren Schulen führen? Mehr Geld alle Probleme heilen? Sicher nicht. Macht ein Land einen Fehler, wirkt er sich nur dort aus. Schlimm genug. Aber bekommt der Bund wieder Einfluss in den Schulen, wirken sich Fehler bei allen aus. Was ist gewonnen?

Nur zur Erinnerung: Schon einmal, in den 1970er Jahren, hatte der Bund ziemlich viel Einfluss in der Schulpolitik. Damals gab es Klagen, die Schulen würden schlechter, hätten zu wenig Geld. Die Antwort war: Die Länder übernehmen die Sache allein. Heute wissen alle: Es war Symbolpolitik. Denn besser geworden ist nichts. Deshalb wäre es vernünftig, sich jetzt nicht auf die symbolische Ebene zu konzentrieren. Sondern auf die Reale.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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