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Aufgekehrt
Sören Christian Reimer
Im Fahrstuhl mit der FDP

Es gibt nur wenig universell geteilte Normen auf dieser Welt. Eine davon ist: Im Fahrstuhl hält man die Klappe! Schweigend fährt man hoch, schweigend fährt man runter. Und am besten guckt man sich auch nicht an. Nur Punks grüßen!

Gemeinsam einsam - im Fahrstuhl gilt: Jeder ist sich selbst der Nächste. Es ist daher eigentlich kein Wunder, dass nun auch die FDP im Bundestag Fahrstühle für sich und ihre Kommunikation entdeckt hat. Aber die alten Normen? Nein, die gelten für die sich nach politischer Insolvenz und Rebranding inzwischen als Politik-Start-up generierende Fraktion natürlich nicht! "Elevator Pitch" heißt das Format, das sich die Liberalen (natürlich!) aus der Business World geborgt haben und online verbreiten: Für die wenigen Sekunden einer Fahrstuhlfahrt im Paul-Löbe-Haus des Bundestages präsentiert eine Abgeordneter oder eine Abgeordnete einen Gesetzentwurf oder Antrag der Fraktion.

Ganz hoch hinaus wollen die FDPler offenbar nicht: Komplexeste Recherchen und ausgefeilte Testreihen (eine Peer Review steht noch aus) haben ergeben, dass die Fahrt eine Länge von bis zu 16 Sekunden habe kann. Die FDPler halten es bisher aber kürzer mit ihren Pitches. Ob das nun Ausdruck maximaler und passgenauer Effizienz ist oder die Fahrstuhlfahrenden schlicht nicht mehr zu sagen haben, das ließ sich experimentell nicht nachvollziehen. Auch ist noch unklar, was eigentlich passiert, wenn ein pitchender Liberaler mal steckenbleibt? Ist der Notdienst gesetzlich verpflichtet, die ganze Zeit zuzuhören? Klar scheint bisher nur zu sein: Es ist besser, quatschend Fahrstuhl zu fahren, als falsch zu regieren - oder mühsam Treppen zu steigen.Sören Christian Reimer

Aus Politik und Zeitgeschichte

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