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Aufgekehrt
Hans Krump
Die Ära der Nullen

Über den Spruch "Der Islam gehört zu Deutschland" (oder wenigstens zu Bayern, wie Ministerpräsident Söder vor Jahren dummerweise einmal sagte) wird allerorten heftig diskutiert. Dabei ist eins inzwischen sonnenklar: Der Islam gehört in jedem Fall zu unserem Geldwesen. Denn das Zinsverbot des Korans, der eigentlich nur das ursprüngliche Zinsverbot des Christentums übernommen hat, hat nun endgültig auch unser Bankensystem erreicht. Null Prozent Zinsen, das ist eine Seuche, der sich keiner mehr entziehen kann. Längst sind Sparer vieler Geldinstitute bei ihren Tagesgeldkonten wie den Volksbanken und Sparkassen daran gewöhnt, keinen müden Cent mehr für irgendwas zu bekommen.

Aber halt: Die Diba, die als eine der beliebtesten Direktbanken das Geschäft mit Tagesgeldkonten einst so richtig beliebt machte, zahlt noch etwas. Mit Zehnerdezimalschritten geht der Zins zwar rückwärts, aber immerhin. Jetzt gibt es 0,01 Prozent statt 0,1 Prozent. Für 10.000 Euro also sagenhafte 1 Euro statt 10 Euro. Natürlich wäre die Null ehrlicher, aber immerhin. Alles ist ja schließlich Symbolsache.

Und weil die Geldentwöhnung so richtig schön läuft, wird der Kunde gleich noch erzogen. Wer seine Diba-Visa-Card im Spielcasino nutzt, einen Lottoschein ausfüllt oder im Wettbüro auf sein Fußballteam setzt, dem werden drei Prozent vom Umsatz abgezogen. Auch wenn es hier wohl wieder nur um den schnöden Mammon geht, man könnte ja sagen, die Bank tut auch etwas gegen Suchtgefahren und dient damit der Gesundheit. So wie Deutschlands TV-Arzt Nummer 1 Eckard von Hirschhausen. Um den Dicken zu helfen, die vom Warenangebot schlicht überfordert sind und sich nicht zu helfen wissen, fordert er die Zuckersteuer. Die soll garantiert nicht bei Null liegen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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