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Gastkommentare - Pro
Karl-Heinz Fesenmeier, "Badische Zeitung", Freiburg
Nur recht und billig

Brauchen wir das Baukindergeld?

D as Baukindergeld ist in vielerlei Hinsicht eine geeignete Maßnahme, um Familien zu fördern und sie auf ein sichereres finanzielles Fundament zu stellen. Jede Familie braucht ein Nest. Und es macht sie unabhängiger, ein eigenes zu haben als eines, aus dem sie - etwa bei Eigenbedarf - herausgeklagt werden kann.

Das Baukindergeld ist schon deshalb sinnvoll, weil der Staat bei einem Hausbau selbst ordentlich zulangt, indem er durch die Steuern das Bauen verteuert. Wenn eine Familie etwa für 300.000 Euro ein Haus baut, gehen davon fast 50.000 Euro an Mehrwertsteuer für Planung und Handwerksleistungen an den Staat. Hinzu kommt noch die Grunderwerbsteuer für das Grundstück. Mit anderen Worten: Der Staat kassiert von der Familie, die den Mut aufbringt zu bauen, einen immensen Betrag, der wie eine Strafe anmutet.

Es ist nur recht und billig, dass er über das Baukindergeld einen Teil davon zurückgibt. Auch beim Kauf eines vorhandenen Hauses oder einer Wohnung (wo Umbauarbeiten meist ebenfalls viel kosten) ist das Baukindergeld sinnvoll, weil es langfristig der Existenzsicherung der Familie dient.

Gegner des Baukindergelds führen oft ins Feld, dass eine solche Subvention von der Baubranche über höhere Preise abgeschöpft werde. Das aber ist nicht bewiesen. Im Gegenteil: Die Abschaffung der Eigenheimzulage im Jahr 2005 hätte dieser Logik folgend den Markt beruhigen müssen. Hat sie aber nicht; die Preise stiegen weiter.

Es wird alles Mögliche subventioniert, ohne groß hinterfragt zu werden - weil hinter jeder Subvention eine mächtige Lobby steht. Die Familien indes haben keine solche Lobby. Umso wichtiger ist es, dass Politiker deren Anliegen im Auge behalten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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