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Gastkommentare - Pro
Friedhard Teuffel "Der Tagesspiegel", Berlin
Sinnvoll regulierend

Brauchen wir eine Plastiksteuer?

I m Kreislauf der Natur hat sich längst auch der Abfall seinen Platz gesichert. Eben noch Verpackung oder Bestandteil von Textilien oder Kosmetik, landet Plastik in mikroskopisch kleinen Teilchen über das Meer zurück auf dem Teller, zum Beispiel im Edelsalz Fleur de Sel oder in Muscheln. Eine Plastiksteuer durch die Europäische Union könnte da weit mehr sein als Klientelpolitik für Gourmets. Sie könnte sinnvoll regulierend wirken.

Große Probleme erfordern gemeinschaftliche Lösungen. Deshalb ist Plastik auf der Ebene der EU richtig aufgehoben. Es geht dabei nicht darum, dem Plastik komplett den Garaus zu machen, so lange es zu wenig Alternativen gibt, um zum Beispiel Lebensmittel länger frisch zu halten, und der ökologische Fußabdruck besser ausfällt als bei anderen Verpackungsmaterialien. Mit einer Plastiksteuer könnte die EU vielmehr den schlechtesten Plastikarten den Kampf ansagen, indem sie beispielsweise Rohbenzin besteuert.

Es gibt auch viele sinnlose Plastikverpackungen, zu viele, die leicht ersetzt werden könnten. Auch die sollten erfasst werden von einer europaweiten Besteuerung. Eine solche Plastiksteuer wird komplex sein. Sie wird Mühen kosten und Zeit, um sie wirklich detailliert auszuarbeiten. Sie wird das übliche EU-Regulierungs-Abwehrbollwerk provozieren. Doch all der Plastikmüll, der an Land und im Wasser anfällt, ruft dazu auf, jede mögliche Gegenmaßnahme einzusetzen. Also auch die einer Besteuerung. Sie muss jedoch Bestandteil einer ganzen Plastikstrategie sein, die zugleich Anreize zur Vermeidung setzt, der Verpackungsindustrie mehr Vorschriften macht und Forschung für Alternativen fördert. So wird ein gut abbaubares Paket daraus.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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