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Aufgekehrt
Hans Krump
Fräuleinwunder in dieser Zeit

Sparen geht bei Billigfluglinien über alles. Da ist Ärger wegen veralteter Frauenbilder einkalkuliert. So lebt das aus dem deutschen Sprachschatz seit Jahrzehnten verschwundene "Fräulein" bei Ryanair oder easyjet weiter. Bei Flugbuchungen kann man "Herr", "Frau", "Fräulein" ebenso wie "Mr.", "Mrs.", "Ms." ankreuzen. In Irland hießen unverheiratete Frauen eben Miss, meinte die irische Linie Ryanair. Anpassungen nationaler Webseiten kosten schließlich Geld. Da verstehen die Billigflieger, wo jeder Atemzug Extragebühren kostet, keinen Spaß. Und günstige Ticketpreise sind auch weiblichen Passagieren wichtiger als jedwede politische Korrektheit.

Dabei galt das Ableben des Wortes "Fräulein", einst wie die "Frau" Adligen vorbehalten, als Emanzipationserfolg. Noch lange im 20. Jahrhundert waren berufstätigen Frauen, die als Lehrerinnen, Sekretärinnen oder Krankenschwestern arbeiteten, in der Regel unverheiratet -"Frolleins". Wer heiratete, gab seinen Beruf meist auf und wurde zur Frau. Das brachte Frauenrechtler auf die Palme. Die Politik geriet unter Druck. Ausgerechnet die konservative Deutsche Partei beantragte 1954 im Bundestag, weibliche Personen ab 35 sollten auch amtlich mit Frau angesprochen werden dürfen. Der Koalitionspartner CDU lehnte ab. 1972 in der sozialliberalen Koalition war es soweit: Das "Fräulein" wurde mit Erklärung des Innenministeriums aus dem offiziellen Wortschatz gestrichen.

Trotzdem ist das Fräulein nicht totzukriegen, nicht nur bei Billigfliegern. Seit Jahren verkauft sich etwa das Magazin "Fräulein" für "starke und selbstbewusste Frauen". Hört sich Fräulein nicht frischer und fröhlicher an als Frau? Die Schauspielerin Iris Berben (68), die nicht heiraten will, träumt von "ewiger Jugend" und bedauert, dass Frolleins heute out sind. Für sie ist es eine "kleine private Freude, dass ich noch ein Fräulein bin".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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