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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

In Deutschland liegt jetzt - endlich - ein kenntnisreiches Buch über die komplexe geopolitische Lage und die Hintergründe des Krieges im Süden der arabischen Halbinsel vor. In der Antike war diese Region als "Arabia felix" (glückliches Arabien) bekannt. Immerhin gibt es Grund zur Hoffnung. Zwei der drei Kriegsparteien unterzeichneten Anfang November 2019 eine Friedensvereinbarung: die international anerkannte Hadi-Regierung Jemens mit den südjemenitischen Separatisten. Das Abkommen soll den 2014 begonnenen Krieg beenden. Das Besondere am jementischen Bürgerkrieg ist, dass diese beiden Kriegsparteien eine Dritte Kraft bekämpfen - die schiitischen Huthi-Aufständischen, die die Hauptsadt Sanaa besetzt halten. Da die Huthi vom Iran unterstützt werden, entwickelte sich der Dreier-Konflikt zu einem regionalen, religiösen Stellvertreterkrieg: Auf der einen Seite stehen die sunnitischen Arabischen Emirate, Kuweit und Saudi Arabien, auf der anderen der schiitische Iran. Nach einer Schätzung des Deutschen Roten Kreuz starben in diesem Krieg mehr als 16.000 Zivilisten, 3,6 Millionen Menschen mussten fliehen.

Der Staatswissenschaftler und Ex-Bundeswehroffizier Said Al Dailami stammt selbst aus dem Jemen. Er beschuldigt die Vereinigten Arabischen Emirate und vor allem Saudi-Arabien die jemenitische Kultur zu zerstören. Mehr noch: Der Autor kritisiert die internationalen Medien und die USA, Kriegsverbrecher ungestraft davon kommen zu lassen. Konkret geht es um ein Dekret des saudischen Königshauses, das den Soldaten für die von ihnen verübten Kriegsverbrechen eine Generalamnestie erteilte. Abgesehen von Amnesty International und Human Rights Watch würden internationale Organisationen kaum etwas gegen das Morden unternehmen. So habe der UN-Sicherheitsrat "die Luftschläge Saudi-Arabiens nicht explizit kritisiert, dafür aber die Raketenangriffe der Huthis auf Riad".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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