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Gastkommentare - Pro
Niklas Záboji, "Frankfurter Allgemeine Zeitung"
Freie Fahrt für SUV

KLIMASCHUTZ OHNE VERZICHT?

F lugscham, SUV-Bann, Fleischverzicht - Verbote gelten vielen plötzlich als unabdingbar, will man das Klima und die Menschheit retten. Leider, muss man anfügen. Denn wer die Freiheit aufgibt, um den Wohlstand zu sichern, wird am Ende beides verlieren.

Zwei Prozent der CO2-Emissionen entfallen auf Deutschland, selbst die EU ist mit knapp acht Prozent ein kleiner Fisch im großen Teich. Daraus folgt nicht, wie manche meinen, dass jegliches Tun vergeblich wäre. Daraus folgt aber auch nicht, wie andere glauben, dass der hiesige Verzicht andernorts Nutzen stiftet. Das Gegenteil ist Ausdruck vernünftiger Politik: Klimaschutz so zu betreiben, dass Wirtschaftskraft und Investitionen in Zukunftstechnologien stimuliert werden. Einzig das macht uns zum Vorreiter, einzig das kann uns hoffen lassen, dass hungrige Schwellenländer fossilen Energien den Rücken kehren und regenerative wie synthetisch hergestellte Produkte made in Germany kaufen.

Und es gibt Grund zum Optimismus. Der EU-Handel mit CO2-Zertifikaten funktioniert. Um mehr als ein Fünftel liegen die Emissionen von Energiewirtschaft und Industrie heute unter dem Wert von 2005 - bei kräftig gestiegener Wertschöpfung. Der Grund liegt auf der Hand: Es wird belohnt, wer erfinderisch ist, und bestraft, wer Innovationen auf die lange Bank schiebt. Der EU-Emissionshandel sollte deshalb schleunigst ausgeweitet werden.

Ja, auch und gerade die soziale Marktwirtschaft gebietet Rücksichtnahme auf Natur und Mitmenschen. Der Nachweis, dass ein von Moralisierung geprägtes Verbotsklima den Fortschritt stärker fördert als ein freiheitlicher Ordnungsrahmen, der verursachergerecht CO2 verteuert, ist bislang aber nicht erbracht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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