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EDITORIAL
Jörg Biallas
Mensch und Baum

Wir brauchen den Wald. Als Klimaschutz, als Erholungsgebiet, als Holz-Lieferant. Und deshalb braucht der Wald uns. Als Beschützer, als Pfleger, als Bewahrer eines wichtigen Lebensraumes für Pflanzen und Tiere.

Darüber gibt es einen breiten politischen und gesellschaftlichen Konsens. Dennoch hat der Deutsche Bundestag in der vergangenen Woche intensiv über Schutz und Bewirtschaftung von Wäldern debattiert.

Denn dem deutschen Wald geht es schlecht. Schädlingsbefall, Brände, Stürme, Dürre - zu lang ist die Liste der Naturereignisse, die dem Wald in jüngerer Vergangenheit zugesetzt haben.

Grund genug also, die Situation aus bundespolitischer Sicht zu beleuchten, auch wenn in erster Linie die Länder für den Wald verantwortlich sind.

Leiden die Bäume, ist das zuvorderst eine Frage des Naturschutzes. Ein Großteil der Wälder wird aber auch bewirtschaftet. Der Schutz muss also darüber hinaus unter ökonomischen Aspekten betrachtet werden. Immerhin arbeiten mehr als eine Million Beschäftigte in der Holzproduktion und der davon abhängigen Holzwirtschaft.

Der Gesamtumsatz der Branche beträgt stattliche 180 Milliarden Euro pro Jahr. Deshalb ist es nicht unerheblich, wenn derzeit jährlich mehr als 30 Millionen Festmeter Holz geschlagen werden, die durch Stürme und Insektenbefall geschädigt sind.

Hilfreich wäre eine zukunftsorientierte Bewirtschaftung des Waldes. Beispielsweise könnten verstärkt Baumarten gepflanzt werden, die der Trockenheit besser trotzen.

Auch Mischbestände sind deutlich klimastabiler als weit verbreitete Monokulturen. Außerdem wäre es wünschenswert, dass die Anzahl der naturbelassenen, nicht bewirtschafteten Forstflächen wächst.

All das kostet Geld, das Länder und Kommunen schwer allein aufbringen können. Hilfe aus der Bundeskasse wird also gewiss willkommen sein.

Auf Dauer wird es nicht reichen, dass die Öffentlichkeit zwar regelmäßig aufschreckt, wenn ein neuer Schadensbericht veröffentlicht wird, sich aber ansonsten wenig um den Wald schert.

Es mag pathetisch klingen, bleibt aber wahr: Mensch und Baum können ohneeinander nicht sein.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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