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Gastkommentare - Pro
Daniel Goffart
Es lohnt sich

Engagement in Parteien?

D as Klagelied über verknöcherte Strukturen und langweilige Sitzungen in den politischen Parteien ist so alt wie sie selbst. Gleiches gilt für die Mär von der zunehmenden Politikverdrossenheit. Gerade junge Menschen würden von der Politik lieber die Finger lassen und sich eher mit ihrer Freizeitgestaltung beschäftigen, behaupten die Kritiker. Doch das stimmt nicht, wie einschlägige Jugendstudien zeigen. Nicht nur das Internet quillt über von politischen Debatten. Auch auf den Straßen wird demonstriert, gestritten und argumentiert - und das nicht erst seit Friday for Future. Themen wie Umwelt- und Artenschutz, gesunde Ernährung, Gleichberechtigung, Diskriminierung und Rassismus bewegen so viele junge Menschen wie seit den 1980er Jahren nicht mehr. Damals entstand als Reaktion auf sauren Regen, Wettrüsten und Atomkraft eine neue Partei - die Grünen. Heute liegen sie mit ihren Themen voll im gesellschaftlichen Mainstream. Damit sind die Grünen der offenkundige Beweis für die These, dass es sich sehr wohl lohnen kann, in politischen Parteien aktiv mitzumischen. Wer wirklich etwas verändern und nicht nur meckern will, muss das zwar nicht zwingend in einer Partei tun. Aber er hat gemeinsam mit ähnlich gesinnten Menschen dort viel eher die Chance, etwas zu erreichen als in einer Rolle als Einzelkämpfer oder im losen Verbund von Spontan-Demonstranten oder Chat-Gruppen. Natürlich gibt es bei den Parteien selbst noch großen Reformbedarf, wenn sie wirklich attraktiv für engagierte Bürgerinnen und Bürger sein wollen. Doch wer könnte sich hier besser einbringen als neue Parteimitglieder mit frischem Blick von außen?

Aus Politik und Zeitgeschichte

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