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Aufgeschrieben von Mirjam Rüscher

Mira Alexander, 28 Jahre, Hamburg, Volt

Geboren bin ich in Hamburg, aber erwachsen geworden in Europa. Ich habe während des Studiums und die Jahre danach in den Niederlanden, Italien, Spanien und Ungarn gelebt. Meine Freunde sind nun überall in Europa verstreut, und auch wenn ich seit einiger Zeit wieder in Hamburg lebe, so bin ich doch geprägt durch die EU. Seit April arbeite ich im Verkauf und Marketing einer E-Sports-Organisation. Es ist ein junges Unternehmen, an dessen Gestaltung ich noch mitwirken kann.

Volt ist eine sehr kleine und junge Partei, sie wurde 2017 am Tag des Brexit-Gesuchs der Briten gegründet. Ich bin Mitte 2019 in die Partei eingetreten, weil bei ihr das Pan-Europäische im Mittelpunkt steht, das gibt es in dieser Form sonst nirgendwo. Wir sind in ganz Europa aktiv und haben ein gemeinsames Programm auf Europaebene. Hier kann ich an meinem Wunsch, einer europäischen Demokratie, in der die Bürger im Zentrum stehen und mitreden können, arbeiten.

Ich fand Politik schon immer interessant, die Strukturen und Machtverhältnisse und die Frage, warum Menschen ihrem Staat vertrauen oder auch nicht. In meiner sehr harmonischen und pädagogisch geprägten Familie habe ich aber weniger gelernt, mich in Diskussionen zurechtzufinden und Konflikte auszutragen, auch wenn meine Mutter politisch aktiv war und mein Vater - eher passives - Parteimitglied ist. Gerade Konflikte bringt die Politik aber mit sich. Mit einem Bachelor in European Studies und einem Master in International Public Policy habe ich mich daher eher mit dem Drumherum der Politik beschäftigt.

Der aufkeimende Populismus, der Erfolg von Donald Trump, der Brexit - das alles hat mich verstärkt zum Nachdenken gebracht. Die Mehrheit schien das anders zu sehen, machte aber den Mund nicht auf - genauso wie ich. Meine Erkenntnis war: Europa macht mein Leben aus, es ist wichtig für mich, also muss ich mich dafür einsetzen, und das habe ich getan. Ich habe einige Leute von Volt kennengelernt und mir gefiel der Spirit, der dort herrscht.

Es freut mich zu sehen und zu erleben, wie engagiert die Menschen in der Partei sind. Es gibt nur drei bezahlte Posten in Deutschland, der Rest opfert seine Freizeit für die Parteiarbeit. Es liegt eine besondere Energie in der Luft, und das macht einfach Spaß. Außerdem gibt es eine Mischung aus Expertisen und man lernt immer noch etwas. Das ist großartig! Dieses Befähigende zu spüren, die Unterstützung, gerade als junge Frau im Hamburger Wahlkampf, das war sehr wichtig für mich. Ich hatte während des Wahlkampfes manchmal das Gefühl, keiner hört zu. Das ist bei Volt anders.

Im Wahlkampf habe ich gemerkt, dass es immer noch fest gefahrene Bilder von Männern und Frauen in der Politik gibt. Ich war für viele schnell die Nette und Sympathische, mein männlicher Kollege der mit den Argumenten. Frauenförderung ist daher neben der Reform der EU eines meiner Herzensthemen in der Politik.

Grundsätzlich ärgert mich an der Politik, dass immer schnelle Statements und konkrete Antworten gefordert sind. Können wir nicht mal kurz innehalten und nachdenken, um etwas Kluges von uns zu geben?

Aufgeschrieben von Mirjam Rüscher

Die Autorin ist freie Journalistin.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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