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Ortstermin: Weihnachten im Bundestag
Kristina Pezzei
Maritimes Flair mit Botschaft

Spätestens jetzt wüssten "wir Bayern", dass es auch im Norden Weihnachten gibt, sagt Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich (CSU) und blickt mit einem Schmunzeln auf die Nordmanntanne, die die Fensterfront zur Spree im Berliner Paul-Löbe-Haus seit vergangener Woche schmückt. Weiße Fischgräten hängen an dem fünf Meter hohen Baum, rote Fische und Leuchttürme in beiden Farben, dazwischen Kugeln in sattem meeresblau: In jeder Tradition findet sich eine Nische für Neues. Der weihnachtliche Baumschmuck kommt jedes Jahr von der Lebenshilfe, als Dank an die Abgeordneten für die Berücksichtigung ihrer Klienten bei Gesetzgebungsverfahren und überhaupt der täglichen Arbeit im Bundestag.

In diesem Jahr waren Menschen mit Behinderung aus Bremerhaven an der Reihe mit Basteln. Drei Wochen lang schnitten sie aus Sperrholz Figuren aus und bemalten sie; einzige Vorgabe sei gewesen, "Weihnachtsgrüße aus dem Norden" zu senden, sagte die Bundesgeschäftsführerin der Lebenshilfe, Jeanne Nicklas-Faust. Am vergangenen Donnerstag übergab der Verein, der sich bundesweit für Menschen vor allem mit geistigen Behinderungen einsetzt, den Baum an Friedrich als Vertreter des Bundestags.

"Weihnachten hat im Bundestag mit dem heutigen Tag begonnen", sagte der Vizepräsident. Gerade in diesem Jahr sei man für Licht und Wärme dankbar. Die Sichtbarkeit des Selbsthilfeverbands sei aktueller und dringlicher denn je, ergänzte die Lebenshilfe-Bundesvorsitzende und Abgeordnete Ulla Schmidt (SPD). Menschen mit geistiger Behinderung lebten von enger Kommunikation und direktem Kontakt mit anderen Menschen. Die Corona-bedingten Maßnahmen träfen sie besonders hart. Das Schließen sämtlicher Einrichtungen zu Beginn der Pandemie-Maßnahmen sei ein zusätzlicher Schlag gewesen - auch für die Eltern. Alle Fördermaßnahmen fielen weg, alles musste sich zu Hause abspielen. Inzwischen habe sich die Situation deutlich verbessert, die Belange der Menschen mit Behinderung würden erkannt und nach und nach berücksichtigt, sagte Schmidt.

Als Bitte gab die frühere Bundesgesundheitsministerin Friedrich mit auf den Weg, die Lebenshilfe-Einrichtungen und die Menschen, die sie nutzen und in ihnen arbeiten, bei anstehenden Entscheidungen mit zu bedenken. Eigentlich wären die Bremerhavener selbst gekommen, um ihren Baum zu übergeben und Lieder mit nordischem Klang anzustimmen. Dies war aufgrund der Pandemie-Situation nicht möglich - das maritime Weihnachtsflair im Paul-Löbe-Haus muss in dem kommenden Wochen als Blickfang ausreichen.Kristina Pezzei

Aus Politik und Zeitgeschichte

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