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Gastkommentare - Contra
Hagen Strauß
Eine Beruhigunspille

Schulen als Letztes schließen?

D as hat der Kampf gegen Corona doch gezeigt: Falsche Versprechungen helfen nicht, sie führen nur zu Verdruss bei den Bürgern. Entschieden werden muss stets neu, je nach Infektionsgeschehen. Daher haben Bund und Länder den Teil-Lockdown verlängert. Für Schulen muss dasselbe gelten.

Wer immer wieder verkündet, Schulen schließen als Letztes oder gar nicht, ignoriert: Corona macht um Kinder und Jugendliche keinen Bogen mehr. Auch RKI-Chef Lothar Wieler hat klargestellt, dass vermehrt Fälle in den Lehranstalten auftreten. Zudem wurde in den Monaten mit beherrschbarem Pandemiegeschehen versäumt, die Schulen fit zu machen für den Winter. Es fehlt mitunter an allem, an Luftreinigungsfiltern, hybriden Angeboten bis hin zum Personal, um Präsenzunterricht zu teilen. Nur nicht an dicken Jacken, die die Schüler mitbringen, damit gelüftet werden kann. Eine Teststrategie gibt es schon gar nicht. Sie ist aber das A und O, wenn man das Virus in den Griff bekommen und Schließungen verhindern will.

Darüber hinaus sind schon viele Schulen im Lockdown, ob ganz oder teilweise. Mitte November waren laut Lehrerverband 300.000 Schüler und bis zu 30.000 Lehrer in Quarantäne. 3.200 Bildungsstätten hatten den Präsenzunterricht stark eingeschränkt. Insofern ist die Vorgabe, Schulen unbedingt offenzuhalten, nur eine Beruhigungspille. Weil vielen Familien der wochenlange Heimunterricht zu Beginn der Pandemie mit all seinen Verwerfungen noch in den Knochen steckt. Die Realität ist aber längst eine andere. Deswegen muss sich die Politik in der Frage von Schulschließungen ehrlicher machen. Sonst büßt sie weiter Vertrauen im Kampf gegen Corona ein.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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