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Aschot Manutscharjan

Während der Bundestagswahl 2017 attackierten Tausende Trolle die deutsche Offentlichkeit. Der größte Trollserver Europas steht dabei für die Verbindung von Gamekultur und rechter Agenda, unterstreichen Patrik Stegemann und Sören Musyal. Die beiden Kommunikationswissenschaftler, bekannt durch die Dokumentation "Lösch Dich. So organisiert ist der Hate im Netz", recherchierten undercover in rechten Netzwerken. Sie beobachteten eine zunehmende Politisierung auf dem "Reconquista Germanica"-Server und in populären Computerspielen. Besonders deutlich werde dies bei Games wie "Hearts of Iron", in dem der Zweite Weltkrieg nachgespielt werde - auch auf Seiten der Wehrmacht. Keine Überraschung, dass das Spiel in rechten Gruppen sehr beliebt sei. "Als einzige Partei ist die AfD hier vertreten - mit einer Gruppe von 1.200 Mitgliedern, die der Identitären hat 300." Hinzu kommen Gruppen mit SS-Runen im Namen und expliziten Holocaust-Bezügen. Eine Analyse der amerikanischen Szene habe altbekannte Muster von Grenzüberschreitungen zutage gefördert, die sich auch in rassistischen Posts in Europa finden ließen: Mitglieder der sozialen Mediengruppen veröffentlichten explizit gewaltverherrlichende, rassistische oder neonazistische Inhalte. Je öfter User "mit diesen Inhalten konfrontiert werden, desto normaler erscheinen sie ihnen - was wiederum politisch nutzbar gemacht wird". Des Weiteren deckten die Autoren Vereine und Stiftungen auf, die rechte Influencer finanzieren, um Menschen anzulocken.

Ausdrücklich kritisieren Stegemann und Musyal die deutsche Gesellschaft: Sie habe es der Gamer-Szene nach dem rechtsextremen Terrorakt von Halle zu einfach gemacht, zur Tagesordnung zurückzukehren. Diskussionen über die Vorratsdatenspeicherung halten sie jedoch für ebenso wenig sinnvoll wie eine Pauschalverurteilung der Gamer. Dem Buch sind viele Leser zu wünschen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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