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Gastkommentare - Pro
Birgit Marschall
Schwere Lasten

Überfordert der Klimaschutz die Verbraucher?

D as Volk versteht das meiste falsch, aber es fühlt das meiste richtig. Dieser Satz von Kurt Tucholsky gilt bis heute. Die Ziele des jetzt dem Bundestag vorliegenden Klimaschutzgesetzes erscheinen den Bürgern noch sehr abstrakt und weit weg. Doch eines ahnen sie: Der notwendige Klimaschutz könnte sie in Ihrem Alltag überfordern.

Einen Weckruf gab es bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Ein Bundesland mit vielen Pendlern. Dort schlagen bereits die schon von der Großen Koalition beschlossenen Erhöhungen des Spritpreises ins Kontor. Dass die Grünen noch vor der Wahl einen draufsattelten und von 16 Cent höheren Spritpreisen sprachen, war schon mutig und wurde nicht belohnt.

Weiteres Beispiel. Mieter verfolgen argwöhnisch den Koalitionsstreit über die Heizkosten. Die zusätzliche Belastung durch die höhere CO2-Bepreisung soll hälftig zwischen Mietern und Vermietern aufgeteilt werden. Wenn es denn so kommt. Höhere Spritpreise und steigende Heizkosten treffen vor allem Geringverdiener, die nicht wie Besserverdienende die paar Euro mehr locker wegstecken können. Das war schon während der Corona-Pandemie so. Die Gutverdiener stiegen vom ÖPNV auf das Auto um oder arbeiteten gleich aus dem geräumigen Homeoffice. Die Entlastungen auf der anderen Seite klingen noch sehr theoretisch. Das "Klimageld" als Ausgleich für höhere Energiepreise bekommt übrigens auch die Zahnarztgattin.

Es braucht eine grundsätzliche Lösung. Die nächste Regierung muss eine Steuerreform anpacken, die ökonomisch, ökologisch und sozial ist. Wenn die Bürger sich überfordert fühlen, wird das mit dem Klimaschutz nichts. Von der Inflation haben wir da noch gar nicht gesprochen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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