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GEDENKEN
Franz Ludwig Averdunk
»Tag der Mahnung«

Mehr Mitgefühl für Terroropfer gefordert

Als einen "Tag der Erinnerung, des Mitgefühls, aber auch der Mahnung, mit aller Entschlossenheit gegen terroristische Bedrohungen in unserem Land vorzugehen", beschrieb Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) vergangene Woche im Bundestag den am 11. März erstmals begangenen Nationalen Gedenktag für die Opfer terroristischer Gewalt. Dessen Einrichtung wurde von allen Fraktionen begrüßt. Er knüpft an den Europäischen Gedenktag für die Opfer des Terrorismus an, der nach den Bombenanschlägen von Madrid vom 11. März 2004 eingeführt wurde.

Faeser beklagte, dass nach terroristischen Gewalttaten viel zu oft die Täter und ihre Motive im Vordergrund stünden. Stattdessen müsse die Aufmerksamkeit auf das Schicksal der Opfer und ihrer Angehörigen gerichtet werden. Sie müssten mit viel mehr Empathie und Sensibilität vor allem von staatlichen Stellen unterstützt werden.

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Anliegen der Opfer und Hinterbliebenen terroristischer Straftaten, Pascal Kober (FDP), befand, auf den Gedenktag hätten viele Betroffene lange gewartet. Die Koalitionsfraktionen hätten ihn gefordert. Er ermögliche es, innezuhalten und Worte des Trostes und der Solidarität zu finden. Unter Beteiligung der Betroffenen solle er weiterentwickelt werden.

Michael Breilmann (CDU) hob hervor, für die Opfer gelte, dass sie "stellvertretend für uns alle" getroffen worden seien. Es sei gut, am Gedenktag Flaggen bundesweit auf Halbmast zu senken. Wenn sich die Blicke zusätzlich nach oben richteten und alle im Alltag Gesicht zeigten gegen Extremismus, Rassismus und Antisemitismus, sei Deutschland auf einem guten Weg, den Kampf gegen Terror zu gewinnen.

Irene Mihalic (Grüne) mahnte, Empathie und sensibler Umgang mit Opfern und Hinterbliebenen dürfe nicht nur in Beileidsbekundungen zum Ausdruck kommen, sondern sei bei jedem behördlichen Akt notwendig - von der Ermittlungsarbeit bis zum Standesamt. Im Umgang mit den Opfern terroristischer Gewalt zeige sich der Reifegrad des Rechtsstaats.

Beatrix von Storch (AfD) verwies darauf, dass "17 lange Jahre nach den Anschlägen von Madrid endlich auch in Deutschland" der Gedenktag für die Opfer terroristischer Gewalt eingeführt wurde. Die mit Abstand größte terroristische Bedrohung weltweit gehe vom Islamismus aus.. Der Gedenktag erinnere daran, dass es oberstes Ziel des Staats sein müsse, Menschen zu schützen.

Martina Renner (Linke) befand, Erinnerung sei keine Selbstverständlichkeit, sondern ein aktiver Akt der Aneignung und des Weitererzählens der Geschichte der Opfer. Sie warnte vor passivem oder ritualisiertem Gedenken durch Institutionen oder Offizielle. Es komme darauf an, gemeinsam mit den Betroffenen eine würdige Form zu finden, die deren Trauer und Anliegen Raum gebe.

Uli Grötsch (SPD) sagte, mit dem Gedenktag solle erreicht werden, dass die Terroropfer nicht "nur eine Zahl sind" und über die Täter nicht mehr gesprochen werde als über die Opfer und ihre Angehörigen. Den Demokratiefeinden werde gezeigt, dass "wir solidarisch sind und unsere Werte verteidigen". Mit dem Gedenktag werde das kollektive Gedächtnis regelmäßig aufgerüttelt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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