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Gastkommentare - Pro
Julia Löhr, "Frankfurter Allgemeine Zeitung"
Gezielt helfen

Richtiges Instrument in der Krise?

E s gibt wenige Hilfsinstrumente, die so zielgerichtet wirken wie das Wohngeld. Den staatlichen Mietzuschuss beantragen können jene, deren Einkommen oder Rente so gering ist, dass sie ihren Lebensunterhalt damit alleine kaum bestreiten können. Diese Gruppe trifft der Anstieg der Energiepreise besonders - mehr als die Hartz-IV-Empfänger, deren Miete und Heizkosten in der Regel das Jobcenter zahlt, und mehr auch als die vielzitierte Mittelschicht, für die steigende Wohnkosten zwar ärgerlich, aber selten existenzbedrohend sind.

Es war daher richtig, dass die Regierung dieses Jahr zwei Heizkostenzuschüsse für Wohngeldbezieher beschlossen hat. Und es ist ebenso richtig, dass das Wohngeld-Plus-Gesetz nun den Kreis derer vergrößert, die Anspruch auf diese Leistung haben. Statt 600.000 Haushalte sollen es ab Anfang nächsten Jahres zwei Millionen sein. Zugleich steigt die Höhe der Unterstützung, einen Heizkostenzuschuss gibt es dann quasi Monat für Monat.

Das heißt nicht, dass damit alles gut wäre. Wenn sich die Zahl der Anspruchsberechtigten mehr als verdreifacht, müsste das auch für die Zahl der Mitarbeiter in den Wohngeldbehörden gelten. Doch dort können schon heute offene Stellen nur schwer besetzt werden. Lange Wartezeiten sind wahrscheinlich und damit auch Frust bei denjenigen, denen der Kanzler mit seinem "You'll never walk alone" mantraartig Hilfe verspricht. Zudem ist das Wohngeld alles andere als selbsterklärend. Wohnort, Miethöhe, Einkommen, Haushaltsgröße - die Berechnung ist komplex. Das schreckt viele ab, einen Antrag zu stellen, sofern sie überhaupt von der Möglichkeit wissen. Mehr Aufklärung und eine einfachere, digitalere Abwicklung: Damit wäre das Wohngeld eine noch bessere Hilfe.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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