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Götz Hausding
Rückblick nach Weimar

JUBILÄUM

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat die vor 90 Jahren unterzeichnete Verfassung der Weimarer Republik als herausragendes Ereignis der deutschen Demokratiegeschichte bezeichnet. "Die Verfassung der Weimarer Republik war besser als ihr Ruf", sagte Lammert am 11. August auf einer Festveranstaltung in Weimar. Allerdings hätten auch institutionelle Mängel der Verfassung zum Scheitern der ersten deutschen parlamentarischen Demokratie beigetragen. Die Weimarer Verfassung war am 31. Juli 1919 von der Nationalversammlung beschlossen und am 11. August 1919 von Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) im nahegelegenen Schwarzburg unterzeichnet worden.

Republik und Verfassung hätten von Beginn an unter einem weit verbreiteten Misstrauen gegenüber der parlamentarischen Demokratie gelitten, sagte Lammert im Deutschen Nationaltheater, dem historischen Tagungsort der Nationalversammlung. Zudem sei sie auch an dem verbreiteten Unverständnis der Parteien für die Notwendigkeit von Kompromissen "als vielleicht wichtigste parlamentarische Tugend" gescheitert. "Die Weimarer Republik war eine Republik, in der die Republikaner zu keiner Zeit eine verlässliche Mehrheit hatten", gab Lammert zu bedenken.

Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) warnte mit Blick auf die Weimarer Republik vor einer Unterschätzung von Wirtschaftskrisen, politischem Extremismus und Politikverdrossenheit. Diese seien auch heute noch Herausforderungen für eine demokratische Gesellschaft.

Geburtsstunde der Demokratie

Reichspräsident Ebert hatte die Verfassung in aller Abgeschiedenheit in Schwarzburg im Thüringer Wald, 60 Kilometer von Weimar entfernt, unterzeichnet. Dort weilte er mit Familie im Urlaub. In Erinnerung an die "Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland" wurde der 11. August in der Weimarer Republik zum Nationalfeiertag erklärt.

Die verfassungsgebende Versammlung mit 423 Abgeordneten hatte sich am 6. Februar 1919 in Weimar konstituiert - fernab von Berlin mit seinen bürgerkriegsähnlichen Zuständen nach der Novemberrevolution. Das Weimarer Nationaltheater war auch aus symbolischen Gründen als Tagungsort gewählt worden: Nach dem Weltkrieg wollte sich die neue Führung vom militaristischen Erbe des Kaiserreichs abwenden und in der Stadt Goethes und Schillers bewusst an humanistische Traditionen anknüpfen.

Den Entwurf der Verfassung mit rund 180 Artikeln erarbeitete der linksliberale Staatsrechtler und Innenminister Hugo Preuß. Historiker zählen sie zu den modernsten Verfassungen des 20. Jahrhunderts. Dabei heben sie vor allem das Frauenwahlrecht, die parlamentarische Ordnung und die Grundrechte hervor.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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