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Interview mit Stavros Dimas, Griechischer EU-Kommisar für Umwelt
FÜNF FRAGEN ZU: UMWELTSCHUTZ IN EUROPA

Länder wie Südkorea und die USA investieren große Teile ihrer Konjunkturpakete in grüne Technologien. Sind die Programme der EU-Staaten grün genug?

Die Programme sind sehr verschieden. Frankreich beispielsweise investiert 20 Prozent in grüne Projekte. Aber alles in allem hatten wir uns mehr erhofft, etwa in Bereichen wie Recycling, Abfallvermeidung und -entsorgung, Wassereffizienz, Investitionen in Ökosysteme und grüne öffentliche Auftragsvergabe. Grüne Investitionen haben einen Multiplikatoreffekt und schaffen zahlreiche Jobs. Und häufig sind sie sogar auch auf kurze Sicht die beste wirtschaftliche Option.

Welche Sektoren haben Ihrer Ansicht nach das größte Potenzial, wenn es um neue grüne Jobs geht?

Es bieten sich sowohl für hoch- als auch für niedrig qualifizierte Arbeitskräfte interessante Möglichkeiten. Denken Sie etwa an Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz von Häusern und öffentlichen Gebäuden, das Verkehrswesen oder erneuerbare Energien. Aber auch Öko-Innovationen in der Wasser- und Abfallwirtschaft, im Naturschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel bieten hier viele Chancen. Die Schaffung neuer Jobs hängt aber auch davon ab, wie viele Fachkräfte zur Verfügung stehen und inwieweit sich die Menschen weiterbilden.

Einige EU-Initiativen gegen den Klimawandel sind für die Bürger direkt spürbar. Ein Beispiel ist das Verbot der klassischen Glühbirne. Was kommt noch auf die Menschen zu?

Ein großer Teil der CO2-Emissionen wird bislang in unseren Ländern im Verkehrsbereich verursacht. Daher wird es eine Reihe von Maßnahmen zur Verminderung der Emissionen bei Fahrzeugen geben. Wir werden in Zukunft auch mehr erneuerbare Energien verwenden. Unser Ziel muss es aber auch sein, dass in unseren Häusern künftig spürbar weniger Energie verschwendet wird als bisher.

Wie bewerten Sie augenblicklich die deutschen Initiativen gegen den Klimawandel?

Deutschland spielt eine wichtige Führungsrolle im Kampf gegen den Klimawandel, sowohl national als auch international. Es verwendet zum Beispiel Einkünfte aus dem Emissionshandel, um Klimaschutzbemühungen in armen Ländern zu unterstützen. 2008 hat der Verkauf von Zertifikaten für den Emissionshandel 400 Millionen Euro eingebracht, von denen 120 Millionen an Entwicklungsländer gingen. Das ist beeindruckend. Deutschland gibt bei erneuerbaren Energien und grüner Technologie das Tempo vor. Das freut uns.

Sollte Deutschland angesichts des Klimawandels an seinen Plänen festhalten, aus der Atomenergie auszusteigen?

Ich bin der Meinung, dass Deutschland das nur selbst entscheiden kann.

Das Interview führte

Isabel Guzmán.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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