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Interview mit Frank Behrendt, Professor am Innovationszentrum Energie der TU Berlin
FÜNF FRAGEN ZUR: ENERGIEEFFIZIENZ

Was versteht man unter dem Begriff "Effizienzsteigerung"?

Effizienzsteigerung bedeutet, dass man mit weniger Rohstoffen, Geld oder Energie das gleiche Ergebnis wie davor erreicht oder bei gleichem Verbrauch das Resultat steigert. Halten Sie in Ihrer Wohnung eine angenehme Wärme, verbrauchen aber weniger Öl oder Gas und so Geld, haben Sie die Effizienz der Heizung verbessert.

Welches Potenzial verbirgt sich hinter diesen Maßnahmen?

In Deutschland verbrauchen wir rund ein Drittel der Energie, allein um unsere Gebäude zu beheizen und mit Strom zu versorgen. Bei Einsatz intelligenter Methoden -Isolierung oder moderne Geräte - ließen sich davon etwa 40 Prozent einsparen, da weniger Wärme an die Umgebung vergeudet wird und der eingesetzte Brennstoff mit höherem Wirkungsgrad umgesetzt wird.

Ließe sich dies nicht günstiger und umfangreicher in China statt in Deutschland erreichen?

Man muss beides machen: Entwickeln wir neue Technologien zur Energiegewinnung wie -einsparung und setzen sie flächendeckend ein, erhöhen sich unsere Exportchancen. Und ein Teil der Maßnahmen - etwa bei der Wärmedämmung im Gebäudebereich - ist auch in Deutschland relativ günstig. Man muss die Balance finden: Will man die Klimaziele erreichen, hilft es mehr, nicht hier das letzte Prozent zu sparen, wenn andernorts größere Sprünge erreichbar wären.

Welche Chancen gibt es für die deutsche Wirtschaft?

Sehr große: Investitionen in erneuerbare Energien oder die Spartechnologien dienen nicht nur der Beruhigung unseres ökologischen Gewissens. Sie bilden auch eine erhebliche Anschubfinanzierung für deutsche Unternehmen, die sich damit führende Rollen auf dem Weltmarkt erobern konnten - etwa in der Windkraft oder der Fotovoltaik, deren Produzenten gerade in den neuen Bundesländern stark vertreten sind. Man muss auch betonen, dass ein Teil der Fördermaßnahmen in die Effizienzsteigerung fossiler Energien gegangen ist. Wir sind also nicht einseitig aufgestellt.

Was können die Politik und die Bürger denn selbst bewirken?

Wichtig wäre es meiner Meinung nach, politisch zu deregulieren: In der Energieeinsparverordnung, die gerade Gebäude betrifft, existieren beispielsweise zum Teil sehr hohe Detailregelungen. Zu strikte Vorgaben verhindern den Wettbewerb technischer Lösungen. Wichtiger wäre es, ein Ziel vorzugeben, das auf verschiedenen Wegen erreichbar sein darf. Auf Seiten der Bürger setzen wir viel auf sogenannte "intelligente" Stromzähler: Sie zeigen dem Nutzer, welches Gerät wie viel verbraucht und was das den Verbraucher kostet. Diese Zähler lösen daher am ehesten eine Verhaltensänderung bei den Leuten aus.

Die Fragen stellte

Daniel Lingenhöhl.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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