Inhalt

Interview mit Andreas Schamel, Leiter des Forschungszentrums von Ford in Aachen
FÜNF FRAGEN ZU: ELEKTROAUTOS

Bis zum Jahr 2020 sollen nach Aussage der Bundesregierung in Deutschland eine Million Elektroautos fahren. Ist das die Wende zum Stromantrieb?

In den letzten Monaten hat sich tatsächlich viel getan. Es entsteht allerdings in der Presse der Eindruck, Elektroautos seien schnell und billig zu bekommen, weil die Technik einfach sei. Das stimmt aber nicht und kann auch zu Enttäuschungen führen, insbesondere, wenn jemand auf die Idee kommt, auf die Elektroautos zu warten. Die Technik ist aufwendig und teuer - allein die Batteriekosten liegen im fünfstelligen Bereich. Da sind die Leistungselektronik und der Motor noch nicht drin. Und das alles für ein Auto, dass viel weniger weit kommt und viel länger zum Laden braucht als ein konventionelles Auto zum Tanken.

Ist Strom denn nicht das Benzin der Zukunft?

Das reine Elektrofahrzeug, das Batterieauto, wird sicher ein signifikantes Element nachhaltigen Verkehrs sein, aber es ist nicht die ultimative Antwort. Für den Pendelverkehr zur Arbeit ist es sicherlich in Ordnung, aber es gibt zu viele Einsatzfälle, die mit Batterieautos nicht machbar sind. Und die Probleme sind ja bekannt: Die Energiedichte reicht nicht aus, um einen Benzintank zu ersetzen. Selbst die Lithium-Ionen Batterie hat eine Energiedichte, die um den Faktor 10 geringer ist als Benzin. Dass heißt, bei gleichem Gewicht von Tank oder Batterie ist die Reichweite des Elektroautos deutlich geringer. Dazu kommt, dass Batterien teuer sind; also auf Überlandstrecken sind reine Elektroautos praktisch nicht einsetzbar. Da sind Hybridlösungen eher sinnvoll.

Trotzdem will auch Ford ein Batterieauto auf den Markt bringen...

Ja, wir entwickeln zusammen mit der Firma Magna ein Elektroauto, den Focus BEV. Das steht für Batterie Electric Vehicle, zu Deutsch Batterie-betriebenes Elektroauto. Es soll im September auf der Autoausstellung IAA vorgestellt und ab 2011 in Produktion gehen. Außerdem konstruieren wir Elektro-Transporter. Sie sollen 2010 in den USA eingeführt werden. Grundsätzlich können die Fahrzeuge aber auch hier verkauft werden.

Für welche Kunden lohnt sich denn ein Elektroauto?

Da kenne ich noch keine Faustregeln. Sie zahlen etwa zwei bis vier Euro für hundert Kilometer mit einem Elektroauto. Gegenüber einem Wagen mit Verbrennungsmotor sparen sie alle 100 Kilometer rund acht Euro.

Wäre es dann nicht doch notwendig, Elektroautos zu subventionieren?

Eine Subventionierung des Elektromobilanteils auf der Straße gibt es schon dadurch, dass die hohe Mineralölsteuer bisher nicht auf den Strom aufgeschlagen wurde und daher entsprechend den Untherhalt eines Stomautos mindert.

Die Fragen stellte

Sönke Gäthke.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag