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LEIHARBEITGastkommentar
Maike Rademaker
Nische schließen

Wenig erregt derzeit soviel Aufmerksamkeit wie der Einsatz von Zeitarbeit in manchen Unternehmen, die ihre Stammbelegschaft durch die billigeren Kräfte ersetzen. Nicht nur die Opposition fordert angesichts dieser Praxis strengere gesetzliche Auflagen; auch die Arbeitsministerin prüft, ob dieses Vorgehen rechtens ist.

Das ist es vermutlich. Aber selbst wenn es legal ist - es widerspricht dem gesellschaftlichen Konsens, unter dem Zeitarbeit in Deutschland akzeptiert wird: Zeitarbeit soll für Auftragsspitzen und -schwankungen eingesetzt werden, nicht als Ersatz für normalen Bedarf. Und das Verhalten der Unternehmen widerspricht einem Sozialsystem, das auf angemessenen branchenbezogenen Tariflöhnen basiert. Schon deshalb stellt sich nicht die Frage ob, sondern wie man die Nische, die die Unternehmen nutzen, ausräumt. Eine einfache Lösung bietet sich allerdings dabei nicht an. Wer eine Maximalquote an Zeitarbeitern in einer Firma fordert, wird diese Quote nicht nur kontrollieren müssen. Sondern er muss auch präzise sagen, wo die Quote gilt - bevor die teure Facharbeiterabteilung mit billigen Leiharbeitern besetzt wird, die Putzkolonne aber nicht. Wer konzerninterne Arbeitnehmerüberlassung verbieten will, verlagert das Problem einfach wieder aus den Unternehmen zu den großen Anbietern der Zeitarbeit.

Gleichzeitig gilt: In keinem Gesetz lassen sich die Nischen komplett schließen, ohne dass neue gefunden werden. Trotzdem muss diese Lücke - auch im Interesse der Mehrheit der Zeitarbeitsunternehmen - geschlossen werden. Denn wenn aus den schwarzen Schafen schwarze Schafherden werden, wird der Gesetzgeber die Zeitarbeit zwangsläufig komplett ausbremsen müssen. Und das wäre bei einem der wichtigsten Instrumente für Flexibilität schade.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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