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Johanna Metz
Lammert: Appell an die Türkei

TÜRKEI

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat in einem Brief an seinen türkischen Amtskollegen Mehmet Ali Sahin appelliert, die freie Religionsausübung durch Christen in der Türkei zu schützen. In dem Schreiben bittet Lammert Sahin, "sich mit den Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln für das Recht der Kirchen, über die vorhandenen Gotteshäuser als eigenen Besitz zu verfügen und ihre Religion frei zu praktizieren", einzusetzen. Insbesondere verweist der Bundestagsprädident auf die "prekäre Lage" des Klosters Mor Gabriel und der Marienkirche in Diyarbakir sowie die Frage eines christlichen Pilgerzentrums in Tarsus. In all diesen Fällen bestehe eine "große Gelegenheit, den mit der Rede des türkischen Ministerpräsidenten erneut verbundenen Ankündigungen jetzt Maßnahmen folgen zu lassen".

Recep Tayyip Erdogan hatte am 10. Januar beim Programmauftakt von Europas Kulturhauptstadt 2010 in Istanbul betont, dass in der tükischen Metropole "jede Kultur ihre eigene Identität finden" könne. Der muslimische Gebetsruf sei unweit der Glocken christlicher Kirchen zu hören, betonte er.

In der Türkei leben heute noch rund 100.000 Christen. Obwohl die Religionsfreiheit durch die Verfassung garantiert ist, bezeichnen Menschenrechtsorganisationen die Lage von nicht-muslimischen Minderheiten als kritisch. So hätten sie häufig Probleme, den Bau von Gotteshäusern genehmigt zu bekommen. Der Staat verbietet es zudem, Pfarrer und Religionslehrer auszubilden. In einer Umfrage gaben Ende 2009 vier von zehn Türken an, einen Juden als Nachbarn abzulehnen. Jeder Dritte will nicht neben einem Christen wohnen.

Doch es gibt auch positive Signale: Zuletzt entstanden mehrere neue Kirchen in der Türkei - zum Beispiel die katholische St. Nikolaus-Kirche im Ferienort Antalya.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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