Inhalt

Yvonne Scheller
Den Hafen studieren

AUSBILDUNG 160 Lehreinrichtungen bieten Logistik an

Den Gegenstand ihres Studiums direkt vor Augen haben - das sollen zukünftige Studenten der neu entstehenden Kühne Logistics University "The Klu" in der Hamburger Hafencity. Allerdings ist die weltweite Wirtschaftskrise auch am drittgrößten Hafen Europas nicht spurlos vorüber gegangen. Gerade jetzt eine eigenständige private Hochschule zu gründen, hält Pressesprecher Dirk Laschke trotzdem für gerechtfertigt: "Gerade in der Krise sind Kompetenzen besonders gefordert. Viele Unternehmen müssen jetzt ihre Prozesse nachjustieren." Da dies oft den Blick über den nationalen Tellerrand hinaus erfordert, ist der zweijährige, englischsprachige Studiengang "Master of Science Program in Global Logistics" - Start: 27. September, Kosten: 15.000 Euro, weitere Master-Studiengänge sind in Planung - stark international ausgerichtet.

Die Klu geht hervor aus der "Kühne School of Logistics", die mit der TU Hamburg-Harburg (TUHH) kooperierte. Doch während an der TUHH eine eher technisch orientierte Logistik gelehrt wird, setzt die Klu ihren Fokus stärker auf eine wirtschaftswissenschaftliche Ausrichtung. Aber auch an der TUHH wird weiter Logistik studiert. Im Wintersemester 2009/2010 sind der dreijährige Studiengang "Logistik und Mobilität" mit Abschluss Bachelor of Science sowie der viersemestrige Masterstudiengang "Logistik, Infrastruktur und Mobilität" gestartet.

Ob technisch oder wirtschaftlich ausgerichtet, Bachelor oder Master, Vollzeit oder berufsbegleitend - die Studienmöglichkeiten sind vielfältig. Der Online-Hochschulkompass nennt für den Suchbegriff "Logistik" ohne Einschränkungen zu Abschluss, Hochschulform oder Studienort 160 Möglichkeiten. Wobei hier nicht nur reine Logistikstudiengänge angezeigt werden, sondern auch eine Vielzahl von BWL-Studiengängen, die Logistik als Vertiefungsrichtung beinhalten.

Orientierung bei der Studienwahl bieten zudem Rankings. Dreimal in Folge führt nun schon die Universität Duisburg-Essen als "Beste Logistik-Hochschule Deutschlands" die Rangliste der Fachzeitschrift "Logistik Inside" an. Klaus Krumme, Geschäftsführer des der Universität angegliederten "Zentrums für Logistik & Verkehr" (ZLV), erklärt dies mit der großen Sachkompetenz aus sieben verschiedenen Fachbereichen und der sich daraus ergebenden Interdisziplinarität. "Dieser Aspekt ist entscheidend, denn Logistik ist mehr als blanker Transport von Waren. Vielmehr ist alles, was mit der Planung, dem Management und der Kontrolle von Flüssen im Bereich Waren, Personen, Informationen, Energie und Finanzen zu tun hat Logistik." Um innovative Konzepte für dieses komplexe Aufgabengebiet zu entwickeln, müssen die verschiedenen Fachdisziplinen Hand in Hand arbeiten - "und so verschwimmen die wissenschaftlichen Grenzen zunehmend".

Große Fachkompetenz aufgrund langjähriger Erfahrung hat die TU Berlin zu bieten. Vor über 30 Jahren legte Professor Helmut Baumgarten den Grundstein, "und ihm verdanken wir es heute zu einer der bedeutendsten Lehr- und Forschungseinrichtungen der Logistik in Deutschland zu zählen", betont Arnfried Nagel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet für Logistik, und ergänzt: "Auch innerhalb der Hochschule zählt die Logistik zu einem der forschungsstärksten Fachgebiete der TU Berlin."

Logistik und Energie

Ein vielfältiges Angebot ist in Hamm zu finden. Die private, staatlich anerkannte Hochschule für Logistik und Wirtschaft "SRH Fachhochschule" bietet Präsenzstudiengänge in Vollzeit, berufsbegleitend oder per Fernstudium sowie mit Bachelor- oder Masterabschluss an. "Wir sind eine auf Logistik und Energie spezialisierte Branchenhochschule und versuchen mit unserem Angebot auf die jeweiligen individuellen Voraussetzungen unserer Studenten einzugehen", erläutert der Rektor der Hochschule, Professor Ulrich Franke.

Die Flexibilität in der Studiengestaltung erlaube es etwa mit einem Präsenzstudium zu beginnen "und zum Fernstudium zu wechseln, wenn sich die Chance bietet ins Ausland zu gehen". Am 1. September erweitert die SRH ihr Angebot um ein duales Studium. "Das muss nicht an eine Berufsausbildung gekoppelt sein, kann es aber", erklärt Franke. In Hamburg ist das anders. Wer seinen Bachelor in "Logistics Management" an der "Hamburg School of Business Administration" (HSBA) machen möchte, muss mit einem der kooperierenden Unternehmen (etwa HHLA, LGI oder Buss GmbH) einen Studienvertrag abschließen.

Die Bewerbung geht dabei direkt an die Unternehmen, die ihren Studenten auch eine Ausbildungsvergütung zahlen und sich zudem teilweise an den Studiengebühren beteiligen. "In welcher Höhe ist Verhandlungssache und vom Unternehmen abhängig", weiß Katharina Kurt, Referentin der Handelskammer Hamburg, bei der die HSBA angesiedelt ist. Die parallele berufliche und akademische Ausbildung bedeutet für die Studenten eine erhebliche Doppelbelastung, doch auch die optimale Kombination von Theorie und Praxis. An der Hochschule erworbenes Fachwissen kann direkt im Unternehmen angewandt und vertieft werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2021 Deutscher Bundestag