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Kurz rezensiert
Aschot Manutscharjan
Angelesen

Welche Funktion hatten Witze im Kommunismus? Einerseits nahmen sie den harten Alltag der Menschen aufs Korn, andererseits das totalitäre Regime. Im Prinzip also eine ideale Aufgabenbeschreibung für das legendäre Radio Eriwan. Natürlich zeugten die Witze über Leonid Breschnew und Erich Honecker vom Widerstand gegen das Regime, ermöglichten sie den Bürgern doch einen gewissen Freiraum gegen die Unterdrückung. Doch auch die Bemerkung eines hochrangigen rumänischen KP-Funktionärs klingt plausibel: Danach soll das Regime die Witze begrüßt haben, gaben sie doch den Unzufriedenen die Möglichkeit, Dampf abzulassen.

In seinem grandiosen Buch zeichnet der britische Filmemacher Ben Lewis die Entwicklung von der Oktoberrevolution 1917 bis zum Ende des Ostblocks 1989 nach. Seine Arbeit enthält eine erste Gesamtschau der Witze in den sozialistischen Staaten. "Das komische Manifest" macht seinem Titel alle Ehre: die Lektüre ist ein einziger Genuss. Die fehlenden Witze aus der Volksrepublik China vermisst man da kaum.

Ben Lewis:

Das komische Manifest. Kommunismus und Satire von 1917 bis 1989.

Blessing Verlag, München 2010; 464 S., 22,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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