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Aus Plenum und Ausschüssen
Isabel Guzmán
EU-Parlament gegen Klebefleisch

VERBRAUCHERSCHUTZ

Was aussieht wie ein echtes Steak, kann durch und durch ein Kunstprodukt sein. Wenn es um die Verwertung kleinster Fleischreste geht, ist die Industrie erfinderisch. Sie verwendet spezielle Enzyme, die wie Klebstoff wirken - der Käufer kann mit bloßem Auge keinen Unterschied erkennen.

Bedenklich sei das, stellte das EU-Parlament am vergangenen Mittwoch fest. Auf dem Tisch lag ein Verordnungsentwurf der EU-Kommission über die europaweite Zulassung bestimmter Nahrungsmittel-Zusatzstoffe. Unter ihnen: das Eiweiß Thrombin. Es wird aus dem Blut von Rindern und Schweinen gewonnen und dient als Klebefleisch-Enzym. Die EU-Lebensmittelbehörde Efsa hat es als unbedenklich eingestuft. Mit hauchdünner Mehrheit entschieden die Abgeordneten jetzt, dem Protein die Zulassung zu verweigern. Ihre Befürchtung: Fleisch aus vielen Einzelteilen biete mehr Angriffsfläche für gefährliche Bakterien, etwa für Salmonellen. Besonders problematisch sei, dass "das Zusammenfügen in kaltem Zustand, ohne Zugabe von Salz und ohne eine anschließende Erhitzung durchgeführt werden kann".

Die Kommission muss sich dem Parlament nun beugen. Völlig vom Tisch ist das Klebefleisch damit aber nicht: Es gibt außer dem Thrombin noch andere Fleischkleber. Außerdem kann Thrombin auch über nationale Regelungen zum Einsatz kommen - so auch in Deutschland, das im Gegenzug eine Kennzeichnung vorschreibt. Das Parlament hat jedoch ein klares politisches Zeichen gesetzt: "Die Gefahr der Irreführung der Verbraucher ist offensichtlich", hieß es in der Stellungnahme des Plenums.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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