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DESERTIFIKATION
Hans-Günther Kellner
Mediales Desinteresse

Kaum jemand hat darüber berichtet: "Im Niger, Tschad und Nordosten Malis droht eine Trockenheitskrise wie in den19 70er Jahren in der Sahel-Zone", alarmierte der Chef des UN-Konvention gegen Desertifikation (UNCCD), Luc Gnacadja, vor wenigen Tagen. Er erinnerte an die Folgen der damaligen Trockenheit in der Sahelzone, an das Ausmaß der Hungersnot. Vielleicht liegt die ausbleibende öffentliche Aufmerksamkeit an der verharmlosenden Übersetzung des englischen Begriffs "desertification" zu "Ausbreitung der Wüsten". Dabei geht es nicht um weit entfernte sandige Landschaften, sondern um die Zerstörung fruchtbarer Böden überall auf dem Planeten.

Desertifikation ist kein Vorgang, gegen den sich nichts unternehmen ließe. In Europa müsste man nur mit den irrsinnigen Umstand Schluss machen, die Bodennutzung durch Siedlung und Landwirtschaft gerade dort besonders intensiv zu betreiben, wo es am wenigsten Wasser gibt - an den Mittelmeerküsten. Nicht Trockenheit ist das grundlegende Problem der Desertifikation - die mangelnde Fähigkeit, damit umzugehen, ist das weit größere.

Gerade in trockenen (ariden) Gegenden kommt es immer wieder zu Trockenperioden, die der in den Medien weitaus populäreren Klimawandel noch verstärkt. Doch sie müssten auch in der Sahelzone nicht unweigerlich zu Katastrophen führen, sagt die UNCCD. Strategien zur Vermeidung der Fehler der Vergangenheit kennt die UN-Organisation, und auch die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) verfügt über umfangreiches Wissen im Kampf gegen Desertifikation. Über die Dimensionen dieser Programme, über die Prioritäten, entscheidet die Bevölkerung. Sie hat ein Anrecht, aus den Medien mehr von der Bedeutung der Verwüstung ihres Planeten zu erfahren.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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