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SOLARENERGIE
Michael Bauchmüller
Nur mit Feingefühl

Sonne satt, Platz satt - Wüsten sind der ideale Ort für solarthermische Kraftwerke. Europa ließe sich von dort mit reichlich Strom versorgen, und das ohne klimaschädliche Emissionen. Jedenfalls rein theoretisch. Die Vision hat auch schon einen Namen: Desertec.

Die Hürden allerdings türmen sich wie die Gipfel des Atlas. Die riesigen Anlagen bräuchten ein ganz neues Stromnetz. Es müsste nicht nur Afrika mit Europa verbinden, sondern den Strom auch innerhalb Europas verteilen. Nur: Wer zahlt solche Leitungen quer durch Europa? Ist Europa bereit für eine gemeinsame, grüne Energiepolitik? Vor Ort ist die Lage nicht einfacher. Wer garantiert die Eigentumsrechte für die Wüstenparks in Gegenden, die sich selbst für die Staatsgewalt mitunter nur schwer kontrollieren lassen? Wie politisch stabil wird die Region auf lange Sicht sein? Realität werden große Wüstenkraftwerke ohnehin erst zur Mitte dieses Jahrhunderts werden. Frühestens.

Rein technisch wäre Desertec schon heute möglich, und es kann zumindest Teil der europäischen Energie-Zukunft sein. Nichts liegt dafür näher als die Nutzung der Sonne. Kaum ein Ort ist besser dafür geeignet als eine Wüste. Der Zeitpunkt für die Weichenstellung wäre günstig: Überall in Europa stehen Milliardeninvestitionen in die Stromerzeugung an. Projekte wie Desertec brauchen allerdings mehr als nur Geld, Ingenieurskunst und langen Atem. Sie erfordern vor allem Fingerspitzengefühl. Eine neue Form des Energie-Kolonialismus kommt in den Wüstenländern ganz bestimmt nicht gut an.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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