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AUFGEKEHRT
Götz Hausding
Virtuelles Blutbad

So eine Party ist eine feine Sache. Da wird gefeiert, getanzt und der ein oder andere Tropfen Alkohol fließt auch. Das ist bei der Geburtstagsparty so wie auch bei der Hochzeitsparty, und auch bei Wahlpartys- zumindest bei den Siegern, zu denen sich ja kurioserweise am Ende doch alle zählen. Angesichts dieser Aussichten dürften sich die Bundestagsabgeordneten freuen, wenn sie in den nächsten Wochen eine Einladung zu eben einer Party erhalten.

Doch statt tanzen und feiern ist dann ballern und rasen angesagt. Nicht so richtig natürlich, sondern virtuell, mittels Computer. Eine LAN-Party nämlich soll im Bundestag stattfinden. Einlader sind die FDP-Abgeordneten Manuel Höferlin und Jimmy Schulz sowie Dorothee Bär von der CSU. Ihnen stinkt es nämlich mächtig, dass von den Kollegen immer mal wieder über Computerspiele hergezogen wird. Von wegen gewaltverherrlichend und so. Alles Quatsch! "Wenn man sich selbst persönlich damit beschäftigt hat, dann spricht man auch anders darüber", lautet die Hoffnung von Dorothee Bär.

Und deswegen sollen auch die als "Killerspiele" bekannt gewordenen Ego-Shooter wie Counter-Strike gespielt werden. Berührungsängste wolle man abbauen, sagt Jimmy Schulz und dazu sollen die Fraktionen im vernetzten Computerraum bis an die Zähne bewaffnet gegeneinander antreten. Ziel des Spiels ist es schließlich, so viele Gegner wie möglich zu erlegen - virtuell natürlich. Strategisches Vorgehen ist da gefragt ebenso wie schnelle Reaktionen und starke Nerven. Alles Eigenschaften, die erfolgreichen Politikern gerne zugeschrieben werden. Und wenn derart viele (wahl)kampferprobte Strategen aufeinander treffen, muss mit einem Blutbad gerechnet werden - natürlich nur virtuell.

Ob derartige Computerspiele nun die Aggressivität erhöhen oder zur Entspannung beitragen, zeigt sich dann am Auftreten unserer Volksvertreter in der folgenden Sitzungswoche.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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