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Verschenkte Begabungen

KINDERKOMMISSION

Nach Ansicht von Bildungsexperten muss das deutsche Bildungssystem stärker nach den Bedürfnissen der Kinder ausgerichtet werden. "Inklusion bedeutet: Keine Diskriminierung mehr. Sonderzuweisungen von Kindern in Förderschulen gegen den Willen der Eltern sollen nicht mehr möglich sein", erklärte Edna Rasch vom Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge am vergangenen Mittwoch in einer öffentlichen Anhörung der Kinderkommission zum Thema "Inklusive Bildung". Acht Sachverständige informierten im Unterausschuss des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend über die Folgen der UN-Behindertenrechtskonvention für das Bildungswesen.

Seit März 2009 ist die UN-Konvention in Kraft und von Deutschland ratifiziert. Eine zentrale Forderung ist die soziale Inklusion behinderter Menschen in Alltag und Bildung. Nach Expertenmeinung verstößt jedoch das selektiv ausgerichtete deutsche Schulsystem gegen die Konvention. "Das gegliederte Schulsystem wird auf lange Sicht durch die Inklusion unterlaufen", sagte Norbert Hocke von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Ein Umstand, den die Experten begrüßten. "Denn 85 Prozent aller Behinderten besuchen Förderschulen", sagte Hans Wocken von der Universität Hamburg. "Deutschland verschenkt Begabungen." Die Lern- und Sprachbehinderten blieben als größte Gruppe von vornherein ausgeschlossen, weil die Regelschulen kein adäquates Bildungsangebot gewährleisten würden.

Als Problem bei der Umsetzung der "inklusiven Bildung" machten die Experten den Föderalismus aus. Jedes Bundesland interpretiere die Konvention unterschiedlich. "Wir brauchen ein einheitliches Leitbild", forderte Wolfgang Blaschke von der Elterninitiative mittendrin e. V. in Richtung Kinderkommission. Wenn die Inklusion erfolgreich durchgesetzt werde, würde es die unterschiedlichen Schultypen so nicht mehr geben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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