Inhalt

VOR 40 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Kleinkrieg an der Grenze

27. Januar 1971: Störung des deutsch-deutschen Transitverkehrs

Es war der übliche politische Kleinkrieg im Kalten Krieg zwischen Ost und West: Als Bundespräsident Gustav Heinemann am 27. Januar 1971 zu einem Besuch der "Grünen Woche", der traditionellen Landwirtschaftsausstellung im Westen des geteilten Berlin eintraf, stellte das aus Sicht der DDR-Führung eine Provokation dar, die sie nicht auf sich sitzen lassen wollte: Für die DDR war die Präsenz von Bundesinstitutionen im Westteil der Stadt eine Verletzung des Berlin-Status. Noch am gleichen Tag kam es an der deutsch-deutschen Grenze zu massiven Behinderungen des Transitverkehrs, also des Verkehrs zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin über das Gebiet der DDR. Schon in den vergangenen Tagen war es zu Behinderungen gekommen. Gründe waren nicht nur die Messe und der Heinemann-Besuch, sondern auch eine geplante FDP-Fraktionssitzung im Berliner Westen.

Behinderungen im Transitverkehr waren seit der deutschen Teilung keine Seltenheit. Der Verkehr war auf wenige Strecken kanalisiert, ausgiebige Kontrollen und Schikanen der DDR-Grenzbeamten die Regel. Außerdem erhob die DDR Gebühren für Visum und Straßennutzung.

Erst Ende 1971 entspannte sich das Problem jedoch leicht mit der Unterzeichnung des Transitabkommens am 17. Dezember zwischen den beiden deutschen Staaten. Die erste deutsch-deutsche Vereinbarung auf Regierungsebene sah insbesondere vor, dass der Personen- und Güterverkehr zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin nun ohne Behinderungen und in der "einfachsten, schnellsten und günstigsten Weise" abgewickelt werden sollte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag