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AUFGEKEHRT
Götz Hausding
Wutbürger in Bayern

Es hat geschneit in Garmisch-Partenkirchen. Traumhaft liegt sie da, die Alpen-Landschaft, in der sich im Winter 2018 die olympische Jugend der Welt sportlich messen soll. Am 6. Juni entscheidet sich, ob die deutsche Kandidatur von München und Garmisch den Zuschlag erhält. Die Chancen stehen nicht schlecht, da dem französischen Mitbewerber Annecy das Geld auszugehen scheint und dem südkoreanischen Kandidaten Pyeongchang die Nähe zum unberechenbaren Nachbarn Nordkorea zu schaffen macht.

Doch auch die Bayern haben Probleme. Eine Handvoll Bauern will ihre Grundstücke nicht der olympischen Idee opfern. Und nun startet doch tatsächlich ein Bürgerbegehren gegen die Spiele. Die Garmischer sollen darüber befinden, ob nicht noch einmal nachgeschaut werden sollte, wie es denn um die Rechtmäßigkeit der Olympiaverträge steht. "Ja wo samma denn?", möchte man da doch mit den Worten des Fußballkaisers Franz Beckenbauer fragen. Rechtmäßig hin oder her - wer wollte denn seinerzeit schon wissen, wie genau es ihm gelungen war, die Fußball-WM nach Deutschland zu bringen? Ein Sommermärchen vom Feinsten ist es geworden, Sakrament.

Doch so einfach können es sich Politiker nicht machen. Auch wenn Münchens Oberbürgermeister Christian Ude angesichts des Bürgerbegehrens vom "Obskursten, was ihm je untergekommen ist", redet, wird er wohl nicht umhin kommen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Rat für den Umgang mit dem Wutbürger kann er sich ja bei seinem Stuttgarter Amtskollegen Schuster holen. Der kann sicher auch mit der Telefonnummer von Schlichter Heiner Geisler aushelfen. Wem es gelungen ist, der Deutschen Bahn einen (kurzzeitigen) Baustopp aufzuschwatzen und damit die Protestbewegung ruhig zu stellen, sollte auch in der Lage sein, Bauern und Naturschützer zu besänftigen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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