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ORTSTERMIN: BEIM GIRLS' DAY IN DER VERWALTUNG DES BUNDESTAGES
Ramona Vogel
»Auf jeden Fall etwas mit Technik«

Männer und Frauen sind gleichberechtigt. So steht es in Artikel 3 des Grundgesetzes. Doch Frauen verdienen im Schnitt noch immer weniger als ihre männlichen Kollegen. Das hat vielfältige Gründe. Eine Ursache liegt auch bei ihnen - den Frauen selbst. Denn zum überwiegenden Teil entscheiden sie sich für die schlechter bezahlten, typisch weiblichen Berufe. Um diesen Trend umzukehren und Mädchen für technische Berufe zu begeistern, rief das Bildungsministerium vor elf Jahren den Girls' Day ins Leben. Jedes Jahr hat sich der Bundestag daran beteiligt - so auch diesmal: 17 Schülerinnen besuchten am vergangenen Donnerstag anlässlich des Girls' Day die Verwaltung des Parlaments. Bei ihrer Begrüßung machte Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) den Schülerinnen der Klassenstufen fünf bis zehn Mut, sich auch in von Männern dominierte Berufe zu wagen. Zum Beispiel sei Frauenfußball in Deutschland bis 1970 verboten gewesen, sagte Pau. Und jetzt könne man sich auf die Weltmeisterschaft der Fußballerinnen im eigenen Land freuen.

Schon bei der ersten Station ihres Rundgangs, dem Gas-Wasser-Sanitärbereich, mussten die Schülerinnen selbst Hand anlegen. Die Aufgabe bestand darin, Rohre zu einem Rohrsystem zusammenzufügen. Obwohl keines der Mädchen Erfahrung im Umgang mit Muffen - einem Bauelement zur Verbindung zweier Rohre - und elektrischer Zange hatte, klappte es auf Anhieb. Der Ansatz des Girls' Day, den Mädchen praxisnah die Scheu vor Technik zu nehmen, schien mit dem leicht krummen Rohr gelungen zu sein.

Berührungsängste hinsichtlich technischer Berufe sind der 13-jährigen Laura Tabea Mattern, einer der Teilnehmerinnen, ohnehin fremd. Ihre Lieblingsfächer sind Mathematik und Physik, außerdem spielt sie Cello. Beruflich möchte Laura "auf jeden Fall etwas mit Technik" machen. Informatik könne sie sich gut vorstellen. Benachteiligt fühle sie sich als Mädchen jedenfalls nicht.

Im Aufnahmestudio des bundestagseigenen Fernsehsenders, einer weiteren Station beim Girls' Day, durften sich die Schülerinnen während einer simulierten Talkshow an den Kameras ausprobieren, für Laura das Highlight des Tages.

Mädchen wie sie sind die Ausnahme. Die Tendenz, klassische Frauenberufe zu wählen, stellt auch Simone Heise, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte des Bundestages, mit Bedauern fest. Obwohl das Interesse am Girls' Day hoch sei, wird es "in diesem Jahr keine einzige Auszubildende in der Parlamentsverwaltung geben, die einen typischen Männerberuf erlernt", sagt sie. Angeboten würden etwa Ausbildungen zur Fachinformatikerin. Das einzige zum Vorstellungsgespräch geladene Mädchen hätte abgesagt. Von den derzeit insgesamt 89 Azubis seien zwar 58 weiblich, doch nur eine von ihnen habe sich im letzten Jahr für eine typische Männerdomäne entschieden.

Dies entspricht dem bundesweiten Trend. Der Anteil von Frauen in technisch orientierten Berufen beträgt gerade einmal 27 Prozent. Doch nicht zuletzt wegen des demografischen Wandels würden Mädchen bald händeringend gesucht, betont Petra Pau.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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