Inhalt

Serie über Abgeordnetenbüros: Zu Besuch bei Hermann E. Ott

»Kunst inspiriert mich«

Den Bildern können sich die Besucher kaum entziehen. Groß und bunt dominieren drei Gemälde aus einer Serie das Büro von Hermann E. Ott. "Sie drücken für mich eine Urgewalt aus, eine Explosion an Farben und Bewegung, die dann Bild für Bild eingefangen wird", erklärt Ott. Es sind Bilder einer befreundeten Künstlerin. Beate Chimento arbeitet als Kunsterzieherin an einer Waldorfschule für geistig behinderte Kinder in Berlin.

Hermann E. Ott ist 2009 in den Bundestag eingezogen und heute klimaschutzpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Und so findet sich in seinem Bücherregal erwartungsgemäß eine beeindruckende Sammlung wissenschaftlicher Literatur zu diesem Thema.

Aber der Blick in das Regal macht auch klar: Hier arbeitet nicht nur ein langjähriger Umweltaktivist - 1979 war er bei den Anti-Atom-Protesten in Gorleben mit dabei - sondern auch ein Kunstliebhaber. Jemand, für den Kunst nicht nur schmückende Dekoration ist, sondern der in ihr einen Bezug zur eigenen Arbeit sucht - und findet. Wie zum Beispiel in dem handtellergroßen Acrylbild, das neben den Büchern steht. Weiß grundiert, ist darauf ein Kopf zu sehen. Der Mensch ist nur abstrakt gezeichnet, hat aber seinen Mund weit geöffnet. "Der Aufrichtige" heißt das Bild, gefertigt von einer Künstlerin aus seinem Wuppertaler Wahlkreis. "Das musste ich einfach kaufen, aufrichtig zu sein halte ich für eine sehr wichtige Qualität", sagt Ott. Und an die Wand hinter seinen Schreibtisch hat sich der 50-jährige Jurist ein Sonnenblumen-Bild gehängt. "Auch das passt zu meiner Arbeit", ergänzt er.

Zur Kunst ist Ott in seiner Zeit als Leiter des Berliner Büros des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie gekommen. Damals hatte er ein 34 Quadratmeter großes Büro mit sehr hohen Wänden, und als eine befreundete Künstlerin dann ein 2,50 Meter mal 4 Meter großes Bild produzierte, habe er ihr angeboten, es in seinem Raum auszustellen. Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: "Die Ausstellungen führen natürlich auch dazu, dass ich tolle Bilder in mein Büro bekomme und nichts dafür zahle." Im Vordergrund stehe aber die Wirkung der Bilder. "Kunst inspiriert mich. Sie verknüpft mich mit Sphären, mit denen ich sonst nichts zu tun habe." Über die Bilder von Beate Chimento, die derzeit in seinem Büro hängen, sagt er: "Ich komme jeden Tag hinein und habe gleich die volle Dröhnung an Lebenslust." Findet einer seiner Besucher Gefallen an der ausgestellten Kunst, vermittelt er gern den Kontakt zum Künstler oder zur Künstlerin.

Diese "Dröhnung" - oder, wie er sagt, "Ahnung vom Anderen" - brauche er als Ausgleich zur Arbeit. Als Mitglied des Umwelt- und des Petitionsausschusses sowie der Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität - Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft" habe er oft mit "trockener Materie" zu tun. "Mehr künstlerische, philosophische und spirituelle Aspekte" würde er sich insbesondere in der Enquete-Kommission wünschen. "Denn mit technischen Lösungen allein kommt man nicht weiter", findet Ott.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2021 Deutscher Bundestag