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VOR 40 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Neue Hoffnung für Berlin

03.09.1971: Viermächteabkommen

Zehn Jahre nach dem Mauerbau sahen die West-Berliner wieder positiver in die Zukunft. Eine im September 1971 vom Magazin "Der Spiegel" in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage ergab, dass die Menschen im Westteil der geteilten Stadt der Entwicklung Berlins "zuversichtlich" entgegensehen. Ein Grund war die neue Ostpolitik von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) und dabei insbesondere das am 3. September 1971 unterzeich- nete Viermächteabkommen.

Schon seit März 1970 tagten Vertreter Frankreichs, Großbritanniens, der USA und der Sowjetunion, aber die Verhandlungen waren kompliziert. Die Westmächte forderten freie Transitwege zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin, Besuchsmöglichkeiten für West-Berliner im Ostteil der Stadt und die Anbindung des Westteils an das Rechts- und Wirtschaftssystem der Bundesrepublik. Die Sowjets wollten unterdessen den Viermächte-Status Berlins auf die Westsektoren beschränken. Im September 1971 dann die Einigung: Berlin blieb Viermächte-Stadt. Die Kommunikation zwischen Ost- und West-Berlin sollte erleichtert, die "Bindungen" zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik weiterentwickelt werden. Erstmals seit 1945 garantierte die Sowjetunion den freien Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin. Moskau akzeptierte die faktische Zugehörigkeit West-Berlins zur Wirtschafts-, Gesellschafts- und Rechtsordnung der Bundesrepublik. Gleichzeitig hielt man aber fest, dass West-Berlin kein Teil von ihr sei. Das Abkommen entspannte die Lage im geteilten Berlin, auch wenn es nicht alle Probleme lösen konnte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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