Inhalt

Christoph Birnbaum
Kurz notiert

Er ist der Guru unter den Finanzwissenschaftlern und fehlt in keiner Talksendung, wenn es um die Zukunft des Euros geht. Max Otte, der selbst erfolgreicher Fondsmanager ist, kann für sich den Anspruch nehmen, früher als viele andere Ökonomen vor der Krise des Finanzsystems gewarnt zu haben. Das kommt ihm zu Gute, wenn er sich wortgewaltig in seiner Streitschrift zu Wort meldet, die es in sich hat.

Für Otte stehen angesichts der milliardenschweren Rettungspakete und Schutzschirme in Europa die Schuldigen fest: Die Banken! "Unser Geld geht nicht nach Griechenland, Irland oder Portugal - nein, es fließt wieder an die Banken, die sich ein weiteres Mal verzockt haben, diesmal mit griechischen Anleihen. Fakt ist: Es gibt überhaupt keine Euro-Krise. Wir stehen mitten in einer neuen Bankenkrise. Nutznießer sind wieder einmal Investmentbanken und Superreiche." Solche Sätze werden viele Freunde finden. Und Ottes Forderungen ebenso: "Wir müssen die Herrschaft der Finanzoligarchie beenden!" Gemeint sind damit Goldman-Sachs und Kollegen in England und Amerika, in Deutschland vor allem die Deutsche Bank. Gemeint ist damit aber auch eine Politik, die es den Finanzmärkten zu einfach mache.

Otte fordert einen klaren Schuldenschnitt für Griechenland unter Beteiligung der Banken. Und notfalls auch einen Austritt von Schuldenstaaten wie Griechenland, Irland, Portugal und Spanien aus der Eurozone. "Noch heute verzichten viele Mitglieder der Europäischen Union auf den Euro, zum Beispiel Schweden, Dänemark, Polen und die Tschechische Republik. Und sie fahren gut damit", schreibt Otte. Was Europa in erster Linie brauche, seien rigide Finanzmarktreformen, mehr Eigenkapital bei Banken, eine europäische Ratingagentur und eine Finanztransaktionssteuer. Und deutschen Sparern gibt der Finanzanalyst zum Schluss einen guten Rat für die Zukunft mit. Sie sollten das eigene Geld bei Sparkassen anlegen. Die hätten in der Vergangenheit nicht "gezockt".

Max Otte:

Stoppt das Euro-Desaster!

Ullstein Verlag, Berlin 2011; 47 S., 3,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag