Inhalt

Tatjana Heid
Lehren aus dem »Fall Guttenberg«

WISSENSCHAFT

Es bedarf deutlicher Änderungen im Wissenschaftssystem, um wissenschaftlichem Fehlverhalten vorzubeugen. Darin waren sich vergangene Woche die Experten in einem Fachgespräch des Bildungsausschusses einig. Konsens bestand auch zu dem Punkt, dass wissenschaftliches Fehlverhalten nicht allein mit Anti-Plagiatssoftware zu bekämpfen ist und sich überdies nicht nur an Plagiaten festmachen lässt. Das Thema hatte im Frühjahr wochenlang für Wirbel gesorgt, als die Dissertation des früheren Verteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU) und später die Promotionsarbeiten weiterer prominenter Politiker als Plagiate entlarvt worden waren.

"Mit Unehrlichkeit kommt man weit", kritisierte Debora Weber-Wulff, Professorin für Medieninformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, und verwies auf Ehrenautorenschaften, Ghostwriter, Datenerfindung und Bestechung. Zur Verbesserung der Situation schlug sie unter anderem eine nationale Beratungsstelle zu Plagiat und wissenschaftlichem Fehlverhalten vor, außerdem eine "schonungslose Transparenz und Offenheit" hinsichtlich wissenschaftlicher Prozesse und Ergebnisse und die Eindämmung der "ausufernden Publikationsliste".

Als besonders problematisch nannte Professor Stefan Hornbostel vom Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung die ungeregelte Erfassung von Promovierenden. Dies habe zur Folge, dass es keine belastbaren Aussagen über die Zahl der Promovierenden, über Abbrüche und Promotionsdauer gebe. Auch gebe es keinen "zuverlässigen Überblick über die Intensität wissenschaftlichen Fehlverhaltens", ergänzte Wolfgang Löwer, Professor für Öffentliches Recht und Wissenschaftsrecht in Bonn und Sprecher der Beratungs- und Vermittlungseinrichtung "Ombudsman für die Wissenschaft".

"Wir brauchen keine weiteren Sanktionen, wir brauchen mehr Prävention", sagte Annette Schmidtmann von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Das wissenschaftliche Arbeitsklima müsse verbessert werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2021 Deutscher Bundestag