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VOR 60 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Zurück zur Souveränität

22. November 1951: Pariser Konferenz

"Herzliche Grüße von einem wichtigen Tage. Vater." Diese Worte aus der Feder Konrad Adenauers stehen auf einer Ansichtskarte aus Paris an seinen Sohn. Datiert ist sie auf den 22. November 1951. An diesem "wichtigen Tage" traf sich der Kanzler, in Personalunion Außenminister, mit den Außenministern der drei Westalliierten in der französischen Hauptstadt. Auf der Agenda stand die Zukunft der jungen Bundesrepublik: Der Entwurf des Grundlagenvertrags - besser bekannt als Deutschlandvertrag - wurde verabschiedet. Später beschrieb US-Außenminister Dean Acheson das Treffen in seinen Memoiren als einen "Meilenstein in den deutsch-alliierten Beziehungen". Erstmals wurde Adenauer damals als gleichberechtigter Partner behandelt.

Der Vertrag war für die Bundesrepublik ein weiterer Schritt zurück zu einem unabhängigen Staat. Unter anderem einigte man sich, das seit 1949 geltende Besatzungsstatut zu beenden. Außerdem sprach man der Bundesrepublik wieder Souveränität zu, die nur durch die offene deutsche Frage eingeschränkt war. 1952 wurde der Grundlagenvertrag unterzeichnet. Seine Ratifizierung durch den Bundestag gestaltete sich jedoch schwierig, da er an den EVG-Vertrag, der den Aufbau einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft mit deutscher Beteiligung regeln sollte, gekoppelt war. Die SPD war aber gegen eine Wiederbewaffnung. Zwar passierten 1953 beide Verträge das Parlament, die EVG kam jedoch wegen des Neins Frankreichs nicht zustande, womit auch der Deutschlandvertrag zunächst gescheitert war. 1955 trat er doch noch, als Teil der Pariser Verträge und leicht verändert, in Kraft.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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