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Alexander Weinlein
Barrierefrei ins Kino

KULTUR Mehr Filme für Hör- und Sehbehinderte gefordert

Die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und FDP wollen das Angebot an barrierefreien Filmen für Hör- und Sehbehinderte ausbauen und entsprechend fördern. In einem gemeinsamen Antrag (17/7709) fordern sie die Bundesregierung auf zu prüfen, ob Kinos für Investitionen in die barrierefreie Ausstattung ihrer Vorführsäle Ermäßigungen ihrer Abgabe an die Filmförderungsanstalt (FFA) erhalten können. Zu prüfen sei auch, ob geförderte Filmproduktionen ab einer bestimmten Förderhöhe zur barrierefreien Ausstattung des Films verpflichtet werden können. Falls notwendig, sei das Gesetz durch die nächste Novelle entsprechend zu ändern. Zudem sei das gemeinsame Förderprogramm von Filmwirtschaft, FFA, Bund und Ländern zur Digitalisierung der Kinos "energisch voranzutreiben", um die technischen Voraussetzungen für die Aufführung von Audiodeskriptionen in den Kinos zu schaffen.

Nach Angaben der Abgeordneten Wolfgang Börnsen (CDU) und Claudia Winterstein (FDP) leben in Deutschland circa 1,2 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen sowie weitere Millionen gehörlose, schwerhörige und ertaubte Menschen. Knapp 300.000 von ihnen gelten wegen ihrer Hörbehinderung als schwerbehindert.

Der Bundestag überwies den Antrag am vergangenen Donnerstag zur weiteren Beratung in die Ausschüsse. Prinzipiell unterstützen und befürworten auch die Oppositionsfraktionen das Anliegen. Kunst und Kultur müssten sich "ohne Abstriche auch für Menschen mit Behinderung erschließen lassen", lautet das gemeinsame Credo. Dies ergebe sich nicht zuletzt aus Artikel 30 der UN-Behindertenrechtskonvention.

Opposition will Zusammenarbeit

Der Opposition geht der Antrag jedoch nicht weit genug. "Die Analyse ist zwar richtig, aber die angemessenen Schlussfolgerungen werden nicht gezogen", gab die SPD-Abgeordnete Angelika Krüger-Leißner zu Protokoll. Der Antrag beschränke sich auf das Filmförderungsgesetz, es müssten aber alle Förderungsinstrumente unter die Lupe genommen werden. Ebenso wie ihre Kollegin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) warb sie für ein gemeinsames Vorgehen der Fraktionen in den Ausschussberatungen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Für die Linke forderte Ilja Seifert, dass Barrierefreiheit zu einem "verbindlichen Kriterium" gemacht werde: "Das heißt auch: keine Förderung einer Filmproduktion, welche nicht auch mit Audiodeskription, Untertitelung und Gebärdensprache produziert wird". Die Kosten für die Audiodeskription eines 90-minütigen Films für Blinde und Sehbehinderte werden auf 5.000 Euro und für die Untertitelung für Hörbehinderte auf 1.000 Euro beziffert.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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