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Jörg Biallas
Zufrieden in der Krise

VON JÖRG BIALLAS

Eigentlich geht es uns zu Beginn dieses neuen Jahres gut. Jedenfalls sagen das alle statistischen Erhebungen. Das Konsumverhalten ist munter. Das Geschäftsklima stimmt. Und laut Umfrage eines Versicherungskonzerns sehen die Deutschen ihr persönliches Dasein derzeit weit optimistischer als vor Jahresfrist. Das ist beruhigend, auch wenn dieser Befund so gar nicht zu den Krisen des letzten Jahres passen will. Dieses 2011 hatte es in sich: Ehec-Hysterie, Tsunami-Katastrophe, Amoklauf in Norwegen und Neonazi-Morde in Deutschland. Ereignisse mithin, die auf das politische Geschehen im Bundestag großen Einfluss genommen haben, wie besonders der Beschluss zum Ausstieg aus der Kernenergie nach Fukushima zeigt. Fast nebenbei entschließt sich ein Großteil der arabischen Welt zum Aufbruch in ein neues Zeitalter. Und als wäre all das nicht spannend genug, muss auch noch um die gemeinsame europäische Währung gebangt werden.

Innenpolitische Themen werden, wiewohl aufgeregt verhandelt, zu Petitessen. Fast vergessen: 2011 war das "Superwahljahr" mit sieben Landtagswahlen. In Baden-Württemberg stürzt die CDU nach Jahrzehnten an der Regierungsmacht, Winfried Kretschmann wird erster grüner Ministerpräsident. Oder die Plagiatsaffäre des Karl-Theodor zu Guttenberg, Guido Westerwelles Rücktritt vom FDP-Parteivorsitz, die Debatte um Bundespräsident Christian Wulff.

Die Zeitläufte werden sich 2012 kaum beruhigen. Da ist die alles überspannende Herausforderung, die Finanzmärkte in Europa neu zu justieren. Innenpolitisch muss vordringlich das unvorstellbare Ausmaß rechtsextremer Gewaltbereitschaft eingedämmt werden. Schließlich gilt es, sich verstärkt erneuerbaren Energietechniken zuzuwenden. Keine leichten Aufgaben für die Politik. Zumal das Volk angesichts der Bundestagswahl im Folgejahr Haltungsnoten notieren wird - bei aller einstweiligen Zufriedenheit.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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