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Bernhard Bartsch
Fehlstart am Geburtstag

NORDKOREA Pjöngjang isoliert sich erneut mit Raketentest

Nordkoreas umstrittener Start einer Langstreckenrakete ist am vergangenen Freitag gescheitert. Der Flugkörper zerbrach nach nur 80 Sekunden in mehrere Teile und stürzte ins Meer. Analysten fürchten, der Fehlschlag könnte dramatische Folgen haben und den jungen Diktator Kim Jong Un dazu verleiten, sich durch einen Atombombentest zu rehabilitieren. In den Tagen zuvor hatten Regierungsvertreter in Seoul und Washington erklärt, es gebe Anzeichen für entsprechende Vorbereitungen.

Die Rakete war um 7.39 Uhr (0.39 Uhr MEZ) abgeschossen worden und sollte angeblich einen Wettersatelliten ins All befördern. Andere Länder, allen voran Südkorea, die USA und Japan, warfen Nordkorea allerdings vor, eine Trägerrakete für Atomsprengköpfe testen zu wollen, deren Reichweite sich bis zum amerikanischen Kontinent erstrecken sollte. UN-Sanktionen verbieten Nordkorea derartige Tests. Internationale Regierungen verurteilten den Start. Der UN-Sicherheitsrat berief eine Sondersitzung ein, um mögliche Reaktionen zu erörtern.

Auch Nordkoreas Staatsmedien gestanden den Fehlstart ein. Der Satellit sei nicht auf eine Erdumlaufbahn gebracht worden, berichtet die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. "Wissenschaftler, Techniker und Experten untersuchen derzeit den Grund für das Scheitern." Mit dem Start war das Regime von Kim Jong Un ein hohes Risiko eingegangen, innenpolitisch ebenso wie außenpolitisch. Der Sohn des im Dezember verstorbenen Diktators Kim Jong Il wird in der Öffentlichkeit als Mann des Militärs in Szene gesetzt, ein erfolgreicher Raketenstart wäre für das Land ein waffentechnischer Durchbruch gewesen - pünktlich zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung am gestrigen Sonntag.

Doch nun steht das Land so isoliert da wie lange nicht mehr. Dabei hatte Nordkorea erst Ende Februar Verhandlungsbereitschaft signalisiert und mit den USA ein Moratorium seines Nuklearprogramms vereinbart, im Gegenzug für dringend benötigte Hilfslieferungen. In Washington sieht man in dem Raketentest einen Bruch dieses Abkommens. Auch Pjöngjangs Hoffnungen auf mehr Unterstützung aus Südkorea sind gesunken, denn die erneute Provokation dürfte das dortige konservative Regierungslager stärken, das eine harte Gangart gegenüber dem Norden fordert. Bei den Parlamentswahlen am vergangenen Mittwoch hatte die Partei des ansonsten unpopulären Präsidenten Lee Myung Bak überraschend ihre Mehrheit im Abgeordnetenhaus verteidigen können. Parteichefin Park Geun Hye, Tochter des ehemaligen Militärherrschers Park, gilt nun als Favoritin für die Präsidentschaftswahl im Dezember.

Der Autor ist freier Korrespondent.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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