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Rolf Obertreis
Zocken bis in den Abgrund

Banken II Eine Trennung von Investment- und traditionellem Geschäft hätte keine Finanzkrise verhindert

Es gibt prominente Fürsprecher. Nicht nur in der Politik, wo SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück dafür wirbt. Nikolaus von Bomhard, Vorstandschef der Münchener Rück, und Bernd Scheifele, erster Mann beim Baustoffkonzern Heidelberg Cement, gehören auch dazu. Für sie sind Großbanken mit klassischem Bankgeschäft und dem durch Skandale in Verruf gekommenen Investmentbanking ein zu großes Risiko: Für die Sparer und für den Steuerzahler. Denn wenn sich Investmentbanker verzocken, ziehen sie auch das klassische Bankgeschäft nach unten. Im schlimmsten Fall müssen Sparer und Steuerzahler für die Verluste aufkommen. "Wir brauchen ein Trennbankensystem", sagt Scheifele.

Schutz für die Bank

Aktuelle Basis für die Diskussionen ist der Vickers-Report aus Großbritannien, benannt nach John Vickers, Vorsitzender der unabhängigen Banken-Kommission des britischen Schatzamtes. Er fordert einen Schutz für das klassische Bankgeschäft vor dem riskanten Investmentbanking. Dagegen hat der Glass-Steagall Act, formuliert in den 1930er Jahren in den USA, seine Relevanz verloren. 1999 wurde er von Präsident Bill Clinton aufgehoben. In der Finanzkrise 2007 allerdings wurde Glas Steagall indirekt durch den Dodd-Frank Act (nach den Abgeordneten Chris Dodd und Barney Frank) wiederbelebt: Die Investmentbanken wurden gezwungen, sich in Geschäftsbanken umzuwandeln, wodurch sie strenger beaufsichtigt werden konnten. Zwar plädieren selbst Großbanker heute für eine Aufspaltung der Institute. Etliche aber nur aus einem Grund: Sie erhoffen sich dadurch eine höhere Bewertung ihrer Konzerne an der Börse.

Als Senator Carter Glass und der Abgeordnete Henry B. Stegall das Gesetz 1932 auf den Weg brachten, ging es ihnen um die Trennung von Einlagen- und Kreditgeschäft einerseits und das Wertpapiergeschäft andererseits. Damals wurden auch die Banken durch die Kursstürze an der Börse massiv belastet, die Verluste waren immens, und dies auf Kosten auch der Staatskasse. Ähnliches haben heute die Befürworter des Trennbankensystems im Auge: Das riskante Investmentbanking soll nicht das klassische Bankgeschäft gefährden, deshalb soll beides nicht unter einem Dach möglich sein.

Freilich: In Europa und in Deutschland gibt es keine Beispiele dafür, dass das Investmentbanking eine Universalbank in den Abgrund gerissen hat. Bei der Mittelstandbank IKB hatten sich 2007 nicht Investmentbanker verzockt, sondern der Vorstand, weil er riskante Verbriefungspapiere gekauft hatte. Die Hypo Real Estate, die mit Milliarden gerettet und verstaatlich werden musste, war ein Spezialinstitut, das sich die Verluste im Staatsfinanzierungsgeschäft einhandelte. Die aktuelle Krise bei der spanischen Bankia rührt aus faulen Krediten für spanische Immobilien, nicht aus riskantem Investmentbanking. Auslöser der Finanzkrise 2008 in den USA war nicht der Zusammenbruch einer Universalbank, sondern mit Lehman Brothers einer reinen Investmentbank. Ein Trennbanksystem hätte diese Fälle nicht verhindert. Ernsthafte durch Universalbanken ausgelöste Finanzkrisen hat es nicht gegeben. Es sei nicht bewiesen, dass eine Trennung vom klassischem Bankgeschäft und Investmentbanking zu mehr Stabilität führe, sagt Elke König, Chefin der Finanzaufsicht Bafin.

Banken-Lobbyisten sehen das ohnehin so. "Ein Trennbankensystem bietet keinen wirksamen Schutz vor Ansteckungseffekten in einer Krise", betont Andreas Schmitz, Präsident des Bankenverbandes. Deutsche Unternehmen brauchten Universalbanken, nicht nur für Kredite, sondern auch für das Management von Zins- oder Währungsrisiken. Die Produkte dafür kommen aus dem Investmentbanking. Auch der gerne als Anhänger eines Trennbankensystems angeführte Vickers argumentiert differenziert. Er plädiert für das so genannte Ringfencing, also für Schutzzäune um die jeweiligen Bereiche. Verluste einer sollen so nicht auf die andere Sparte durchschlagen. Doch auch das gilt nicht als Allheilmittel.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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