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ORTSTERMIN: JAHRESEMPFANG DES WEHRBEAUFTRAGTEN
Alexander Weinlein
Eine hintergründige Einladung

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) brachte es kurz und bündig auf den Punkt: Die Einladung des kanadischen Ministers für Veteranenangelegenheiten, Steven Blaney, zum Jahresempfang des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus sei "klug und hintergründig". Dieser hatte in seiner Rede in der Parlamentarischen Gesellschaft am vergangenen Mittwoch Abend - auch mit Einfühlungsvermögen für die Befindlichkeiten in Deutschland - für mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit und staatliche Fürsorge für Veteranen geworben. Ein Anliegen, dass de Maizière und Königshaus teilen.

"Auch wenn wir bei der Fürsorge für unsere einsatzerfahrenen Soldatinnen und Soldaten in den vergangenen Jahren gut vorangekommen sind, so sind wir von unserem Anspruch bisher noch ein ganzes Stück entfernt", argumentierte Königshaus. Und er fügte an: "Wir brauchen einen Status, mit dem alle, die für die Bundeswehr im Einsatz waren, erfasst werden. Nur wer erfasst ist, kann auch gezielt kontaktiert und betreut werden." Kanada hingegen habe die Wahrnehmung der Interessen seiner Veteranen zu einer "nationalen Aufgabe" gemacht. Auch de Maizière betonte, dass die Deutschen viel von ihren Verbündeten jenseits des Atlantiks lernen könnten im Umgang mit Veteranen. Und er nutzte den Abend, um seine Definition von Veteranen erstmals öffentlich zu machen: Er verstehe darunter jeden ehemaligen Soldat der Bundeswehr, der in einem Auslandseinsatz gedient hat.

Sein Veteranenministerium, so legte Minister Blaney dar, habe zusammen mit dem Verteidigungsministerium beispielsweise 17 Kliniken etabliert, die sich um traumatisierte oder depressive Soldaten kümmern. Bei der Betreuung würde stark mit Veteranen zusammen gearbeitet werdenund deren Erfahrungen genutzt. Aber es gehe nicht nur um eine Versorgung der Veteranen. Die Gesellschaft schulde den Soldaten ihren Respekt und müsse deren erbrachten Opfer würdigen, sagte Blaney. Diese Ansicht teilten auch 93 Prozent seiner kanadischen Landsleute. Dieser Respekt und diese Würdigung, betonte der Kanadier, habe nichts mit falscher Heldenverehrung zu tun. Blaney weiß, dass der Veteranenbegriff bei vielen Deutschen historisch belastet ist.

Deutsche Soldaten vermissen nach ihren Einsätzen oftmals diesen Respekt. "Es ist schon frustrierend, wenn man zu hören bekommt, wir würden in Afghanistan den ganzen Tag nur im Lager sitzen und uns betrinken. Oder wir hätten uns nur wegen des Geldes in den Einsatz gemeldet", fasst ein Oberstabsgefreiter seine Enttäuschung zusammen. Er gehört zu der Gruppe geladener Soldaten an diesem Abend, die mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr auszeichnet wurden. Bei den Anschlägen und Gefechten am Karfreitag 2010 bei Kundus verlor er ein Auge. Sein Gesicht ist von Narben gezeichnet. Bereut hat er den Einsatz nicht. Er hat sich inzwischen als Berufssoldat verpflichtet. Er wirkt bescheiden, will nicht einmal seinen Namen gedruckt sehen. Aber er wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für "unseren Einsatz und den hohen Preis, den wir gegebenenfalls zahlen".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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